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Sehr gut eingepackt

Die Kosmetiktasche ist einer der letzten Orte, an denen selbst sehr organisierte Menschen zuverlässig die Kontrolle verlieren. Zwischen ausgelaufener Sonnencreme, einsamen Wattestäbchen und jener Lippenpflege, die seit drei Hotels vermisst wird, endet jeder gute Vorsatz. Ausgerechnet hier setzen Augustinus Bader und das Pariser Accessoire-Label L/UNIFORM an. Ihre limitierte Kollaboration behandelt Beauty nicht als Ansammlung möglichst vieler Produkte, sondern als Frage der Aufbewahrung. Das klingt zunächst weniger spektakulär als ein neuer Wirkstoff. Tatsächlich erzählt es ziemlich genau, wohin sich Luxus gerade bewegt: weg vom auffälligen Objekt, hin zum Gegenstand, der ein alltägliches Problem ungewöhnlich gründlich löst. Die Zusammenarbeit umfasst drei Formate: das Pouch Duo, ein damit ausgestattetes Travel Kit und einen Vanity Case. Naturfarbenes Canvas trifft auf jenes tiefe Blau, das Augustinus Bader seit der Einführung von The Cream und The Rich Cream im Jahr 2018 als visuelle Signatur verwendet. Dazu kommen klare Konturen, sparsam gesetzte Details und ein Branding, das nicht quer durch die Abflughalle rufen muss. Diese Zurückhaltung ist kein dekorativer Zufall. L/UNIFORM hat sein Geschäft darauf aufgebaut, Taschen und Behältnisse so zu entwerfen, dass deren Zweck sofort verständlich wird.

Gegründet wurde das Label von Jeanne Signoles. Seine Entwürfe folgen weniger der Logik saisonaler Mode als der Typologie klassischer Gebrauchsgegenstände: Schultasche, Werkzeugtasche, Dokumentenmappe, Reisetasche. Seit 2024 wird die gesamte Kollektion in einem eigenen Atelier in Porto gefertigt. Dort entstehen Zuschnitt, Montage, Nähte, Finish und Qualitätskontrolle unter einem Dach. Die verwendeten Canvas-Gewebe werden je nach Ausführung in Frankreich oder Italien gewebt, durchgefärbt und beschichtet. Sie sollen abwaschbar, wasserabweisend und schmutzresistent bleiben, ohne jene steife Plastikoptik anzunehmen, die Funktionalität gern begleitet.

Für das Pouch Duo wurde naturfarbenes Canvas aus reiner Baumwolle gewählt. Beide Taschen werden im Portoer Atelier von Hand gefertigt und mit blauen Akzenten versehen. Die kleinere misst 19 × 6 × 15 Zentimeter und nimmt Portemonnaie, Telefon, Lippenstift oder einen kleinen Duft auf. Die größere kommt auf 26 × 6 × 20 Zentimeter und bietet Platz für die kleinere Pouch, ein Tablet, einen E-Reader, eine Powerbank, ein A5-Notizbuch oder Make-up. Druckknöpfe schließen die Taschen, ein breiter Boden schafft Volumen, ohne die flache Silhouette in einen unförmigen Beutel zu verwandeln. Zusammen funktionieren sie wie ein kleines Ordnungssystem, getrennt ebenso gut als Taschen für den Alltag.

Dass ein Beauty-Unternehmen ausgerechnet mit einem Spezialisten für Canvas-Taschen kooperiert, ergibt mehr Sinn, als es die üblichen Paarungen aus Mode, Musik und schnell gedrucktem Logo vermuten lassen. Augustinus Bader verkauft schließlich keine verspielte Kosmetik, sondern ein wissenschaftlich codiertes System. Im Zentrum steht TFC8®, ein proprietärer Komplex, der aus der jahrzehntelangen Forschung von Professor Augustinus Bader hervorgegangen ist und laut Hersteller die natürlichen Erneuerungsprozesse der Haut unterstützen soll. Die berühmte blaue Flasche wurde dabei selbst zu einem Designobjekt: schwer, monochrom, sofort erkennbar. L/UNIFORM liefert nun die textile Architektur darum herum.

Besonders schlüssig wird das beim Pouch Duo Travel Kit. Die beiden Taschen kommen hier nicht leer, sondern mit fünf Reisegrößen: The Rich Cream mit 15 Millilitern, einem Paar Eye Patches, einer Hydrogel Face Mask, dem Lip Balm mit vier Gramm und dem Hand Treatment mit 50 Millilitern. Das ist keine vollständige Badezimmerrenovierung im Taschenformat, sondern eine überschaubare Auswahl für trockene Flugzeugluft, müde Augen, Hände, Lippen und Gesicht. Der Inhalt folgt damit derselben Idee wie die Verpackung: lieber wenige Dinge, deren Aufgabe klar definiert ist.

Interessant ist dabei vor allem, dass die Taschen nicht als vergängliche Zugabe behandelt werden. In der Beautybranche gehört das kostenlose Täschchen seit Jahrzehnten zum Repertoire verkaufsfördernder Freundlichkeiten. Meist ist es aus dünnem Kunststoff, trägt ein übergroßes Logo und überlebt kaum mehr Reisen als die darin enthaltenen Probiergrößen. L/UNIFORM dreht dieses Verhältnis um. Hier ist das Behältnis kein Bonus, sondern ein eigenständiger Gegenstand, der bleiben soll, wenn die Creme längst aufgebraucht ist. Der Inhalt lässt sich ersetzen, die Hülle sammelt Spuren. Luxus wird damit nicht über makellose Unberührtheit definiert, sondern über Material, das Benutzung aushält.

Auch die Personalisierung passt in dieses System. In den Boutiquen von L/UNIFORM können die Stücke mit Monogramm, Symbol oder Patch versehen werden. Die Initialen machen aus einem limitierten Produkt zwar noch kein Erbstück, verhindern aber zumindest, dass es wie anonymer Merchandising-Nachwuchs aussieht. Gerade bei einer Kooperation zweier Marken ist das bemerkenswert: Am Ende darf nicht nur deren Identität auf dem Produkt stehen, sondern auch die des Besitzers. Das ist subtiler als ein sichtbares Monogramm-Muster – und vermutlich der zeitgemäßere Statuscode.

Billig ist diese Ordnung selbstverständlich nicht. Das Pouch Duo kostet 235 Euro, das Travel Kit 430 Euro. Der Vanity Case ist für 1.380 Euro angekündigt und soll am 30. September folgen. Damit befindet sich die Kollektion weit entfernt vom Kulturbeutel, der beim Kauf eines Duftsets gratis mitgegeben wird. Besonders der Vanity Case versteht sich eher als kleines Gepäckstück: ein stabiler, bewusst sichtbarer Begleiter zwischen Badezimmer, Schlafzimmer und Hotel. Die Bezeichnung „Case“ ist hier entscheidend. Sie verleiht der täglichen Pflege eine feste Adresse und macht aus Flaschen und Tiegeln eine persönliche Ausrüstung.

Das mag ein wenig feierlich klingen für Dinge, die am Ende Feuchtigkeitscreme und Lippenpflege beherbergen. Doch genau darin liegt der Reiz. Viele Alltagsgegenstände wurden so lange auf Effizienz und niedrige Preise getrimmt, bis sie keinerlei Freude mehr auslösen. L/UNIFORM arbeitet gegen diese Gleichgültigkeit, Augustinus Bader gegen das Bild von Hautpflege als beliebige Ansammlung immer neuer Versprechen. Beide Marken treffen sich bei der Idee, dass Funktion nicht unsichtbar sein muss, um überzeugend zu sein.

Die Kollektion ist exklusiv über Augustinus Bader erhältlich und wird nur in limitierter Stückzahl produziert. Das Pouch Duo und das Travel Kit sind für den Sommer vorgesehen, die Vanity Case folgt Ende September. Damit könnte ausgerechnet ein Behältnis zum interessantesten Beauty-Produkt der Saison werden. Denn Cremes versprechen gern Veränderung. Eine wirklich gute Tasche verspricht zunächst nur, dass morgen noch alles dort liegt, wo es heute eingeräumt wurde. Das ist vielleicht weniger glamourös – im Hotelbad aber häufig das größere Wunder.

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