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Roms stillste Ikone

Hoch über der Spanischen Treppe, an einem der markantesten Punkte Roms, liegt ein Haus, das sich seit über einem Jahrhundert jeder schnellen Definition entzieht. Das Hassler Roma ist kein Hotel im klassischen Sinn, sondern eine Institution, deren Geschichte eng mit der Entwicklung der internationalen Luxushotellerie verknüpft ist. Gegründet im Jahr 1893, gehört es zu den wenigen Häusern, die es geschafft haben, ihre Identität über Generationen hinweg nicht nur zu bewahren, sondern weiter zu schärfen.

Entscheidend dafür ist die Familie Wirth, die das Hassler seit den 1920er-Jahren prägt und es seit 1964 vollständig besitzt. Ihre Wurzeln reichen zurück in die Pionierzeit der europäischen Grandhotellerie, als Schweizer Unternehmer mit bemerkenswertem Gespür für Orte und Gäste erste Hotelnetzwerke zwischen der Schweiz, Italien und sogar Ägypten aufbauten. Während viele dieser frühen Imperien längst verschwunden sind, ist das Hassler geblieben – nicht als nostalgisches Relikt, sondern als lebendiger Ort, der sich kontinuierlich weiterentwickelt.

Besonders unter Roberto E. Wirth, der das Haus über mehr als vier Jahrzehnte leitete, wurde das Hassler zu einem internationalen Maßstab für eine Form von Luxus, die sich nicht über Größe oder Inszenierung definiert. Seine persönliche Geschichte als gehörloser Hotelier prägte dabei eine außergewöhnliche Sensibilität im Umgang mit Gästen. Aufmerksamkeit, Präzision und ein fast intuitives Erfassen von Bedürfnissen wurden zu Grundprinzipien eines Hauses, in dem Service nicht standardisiert, sondern individuell gedacht wird. Der oft zitierte Satz, er sehe mehr, weil er nichts höre, ist dabei weniger Anekdote als Haltung, die bis heute spürbar ist.

Mit Veruschka und Roberto Wirth führt nun die sechste Generation das Haus. Ihr Ansatz ist von einer bemerkenswerten Balance geprägt: Respekt vor der Geschichte, kombiniert mit einem klaren Blick nach vorn. Die aktuelle, umfassende Renovierung – die erste ihrer Art seit Bestehen des Hotels – ist Ausdruck dieses Verständnisses. Öffentliche Bereiche, Salons und das Panorama-Restaurant wurden neu interpretiert, ohne den Charakter des Hauses zu verändern. Gleichzeitig entsteht unterhalb der Spanischen Treppe ein neuer Spa-Bereich, der das Angebot des Hauses zeitgemäß erweitert, ohne seine Identität zu überformen.

Die Zimmer und Suiten folgen dabei keiner einheitlichen Ästhetik, sondern sind individuell gestaltet und greifen klassische Elemente wie Marmor, Seide, Wandteppiche und kunstvolle Stuckarbeiten auf. Es ist ein Stil, der sich nicht an Trends orientiert, sondern an Dauer. Selbst die kleineren Zimmer wirken großzügig, viele öffnen den Blick über die Dächer Roms. Besonders die Eckzimmer und Suiten schaffen mit ihren Perspektiven eine fast private Beziehung zur Stadt, während die Panoramaterrasse zu den eindrucksvollsten Aussichtspunkten gehört, die ein Hotel in Rom bieten kann.

Im Zentrum des Hauses steht der Salon Eva, der über Jahrzehnte hinweg eine konstante Rolle im gesellschaftlichen Leben gespielt hat. Hier wird der Tagesablauf des Hotels sichtbar, vom Frühstück bis in die späten Abendstunden. Die Atmosphäre ist geprägt von einer Mischung aus Eleganz und Vertrautheit, die in dieser Form selten geworden ist. Stammgäste kehren regelmäßig zurück, Personal kennt Namen und Vorlieben, und für einen Moment entsteht der Eindruck, Teil eines gewachsenen sozialen Gefüges zu sein.

Kulinarisch wird das Hassler heute durch das Restaurant Imàgo geprägt, das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet ist. Unter der Leitung von Küchenchef Andrea Antonini entsteht hier eine Küche, die sich aus der italienischen Tradition entwickelt, diese jedoch präzise weiterdenkt. Im Mittelpunkt stehen Produktqualität, Klarheit und eine gewisse Leichtigkeit, die sich auch im gesamten Haus wiederfinden. Der Blick über die Stadt, der das Restaurant begleitet, verstärkt dabei ein Erlebnis, das weniger spektakulär als vielmehr stimmig wirkt.

Die Liste der Gäste ist lang und reicht von historischen Persönlichkeiten bis hin zu zeitgenössischen Schauspielern und Künstlern. Doch auffällig ist weniger die Prominenz als die Zurückhaltung. Das Publikum des Hassler sucht keinen Auftritt, sondern einen Ort, der Verlässlichkeit und Diskretion bietet. Familien, internationale Paare, langjährige Stammgäste – sie alle tragen zu einer Atmosphäre bei, die leise funktioniert und gerade deshalb überzeugt.

Auch die Umgebung des Hotels ist Teil dieses Gefüges. Direkt nebenan liegt die Villa Medici, Sitz der Académie de France à Rome, die seit Jahrhunderten Künstler und Intellektuelle anzieht. Wenige Minuten entfernt befindet sich mit der Galleria Doria Pamphilj eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen der Stadt. Es ist diese unmittelbare Nähe zu Kunst, Geschichte und urbanem Leben, die das Hassler nicht nur zu einem Ort des Rückzugs macht, sondern zu einem Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit Rom selbst.

Das Hassler Roma steht heute an einem Punkt, an dem Tradition und Zukunft gleichermaßen spürbar sind. Die behutsame Weiterentwicklung durch die Familie Wirth zeigt, dass Luxus nicht zwangsläufig mit Veränderung um jeden Preis verbunden ist. Vielmehr entsteht seine Qualität aus Kontinuität, aus Aufmerksamkeit und aus dem Verständnis, dass ein Haus wie dieses nicht neu erfunden werden muss, um relevant zu bleiben. In einer Stadt, die selbst von Schichten der Geschichte lebt, wirkt diese Form der Beständigkeit nicht rückwärtsgewandt, sondern erstaunlich zeitgemäß.

Weniger sichtbar als die Geschichte des Hauses, aber nicht minder prägend für die Gegenwart des Hassler, sind die neuen Räume, die in den vergangenen Monaten entstanden sind. Für ihre Gestaltung wurde der französische Designer Jacques Garcia verpflichtet, dessen Handschrift zahlreiche Grandhotels und Privatresidenzen weltweit prägt. Im Hassler zeigt sie sich bewusst zurückhaltend. Der neu gestaltete Palm Court bringt mehr Grün, Licht und Offenheit in das Haus und schafft einen ruhigen Gegenpol zur geschäftigen Piazza di Spagna. Hinzu kommen die neu interpretierte Sala Vietri, die künftig als Bibliothek und Lounge genutzt wird, sowie weitere öffentliche Bereiche, die den Charakter des Hauses behutsam ergänzen. Gemeinsam entstehen Orte, die nicht auf Aufmerksamkeit drängen, sondern jene Gelassenheit vermitteln, die viele Stammgäste seit Generationen mit dem Hassler verbinden.

Zu den ambitioniertesten Projekten gehört der neue Spa-Bereich, der im Herbst 2026 eröffnet werden soll. Auf zwei Ebenen entsteht ein Wellbeing-Bereich mit Pool, der das bisherige Angebot des Hauses deutlich erweitert. Im Mittelpunkt stehen dabei Themen wie Regeneration, Gesundheit und Longevity, die zunehmend auch die internationale Luxushotellerie prägen. Bemerkenswert ist nicht nur die Größe des Projekts, sondern auch seine Lage: Teile des neuen Spas befinden sich unterhalb der Spanischen Treppe und bieten damit einen Rückzugsort an einem der meistbesuchten Orte Roms. Für ein Haus, das über viele Jahrzehnte vor allem für seine Lage, seine Geschichte und seinen Service bekannt war, eröffnet sich damit eine zusätzliche Dimension des Aufenthalts.

Weitere Informationen unter Hotel Hassler Roma

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