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Klarheit in Form gebracht

Zurück in die Gegenwart bedeutet nicht, das Vergangene hinter sich zu lassen. Es bedeutet, neu zu sortieren. Formen, Materialien, Proportionen. Genau hier setzt Freifrau an – mit Entwürfen, die nicht laut werden müssen, um präsent zu sein, und die sich bewusst zwischen Klarheit und Komfort bewegen. Im Rahmen der Milan Design Week zeigt die Marke erstmals einen eigenen Creative Space in Brera. Die Inszenierung bleibt reduziert, fast zurückhaltend. Keine überladenen Settings, keine visuelle Überforderung. Stattdessen Raum. Für Objekte, die sich aus sich selbst heraus erklären.

Mit Ada, entworfen von Hanne Willmann, entsteht ein Stuhl, der den klassischen Holzstuhl nicht zitiert, sondern neu denkt. Die Konstruktion ist klar, fast architektonisch. Ein Massivholzgestell, präzise gesetzt, ruhig in seiner Wirkung. Dazu eine Polsterform, die weich wirkt, ohne beliebig zu werden. Die Silhouette folgt einer fließenden Bewegung, unterstützt durch einen feinen Faltenwurf im Bezug, der nicht dekorativ ist, sondern Struktur sichtbar macht. Es ist genau dieses Gleichgewicht, das Ada auszeichnet. Zwischen Stabilität und Leichtigkeit, zwischen Linie und Volumen. Der Stuhl nimmt den Körper auf, ohne ihn zu definieren. Er bleibt zurückhaltend und gewinnt gerade dadurch an Präsenz. Materialien und Farben lassen sich individuell wählen, von textilen Bezügen bis hin zu Leder, ergänzt durch eine breite Palette an Holzoberflächen. So entsteht keine uniforme Serie, sondern eine Vielzahl möglicher Interpretationen.

Einen anderen, ebenso eigenständigen Ansatz verfolgt das Hamburger Studio Hoffmann Kahleyss Design. Mit dem Marie Sofa verschiebt sich der Fokus spürbar. Hier geht es weniger um Reduktion als um Bewegung, um Wandelbarkeit, um eine Form von Komfort, die sich räumlich ausdehnt. Das modulare System erlaubt unterschiedlichste Konfigurationen – von kompakten Lösungen bis hin zu großzügigen Wohnlandschaften. Die Silhouette bleibt dabei weich, fast organisch. Linien verlaufen nicht streng, sondern fließend. Ein prägnantes Detail ist die charakteristische Spange mit ihrer feinen Kräuselnaht auf der Rückseite, die das Modell wie ein ruhiger Akzent zusammenhält. Sie funktioniert weniger als dekoratives Element, sondern als wiedererkennbare Geste, die der gesamten Familie eine eigene Identität verleiht.

Auch in den Weiterentwicklungen zeigt sich dieser Ansatz. Ein neues Sockelgestell erweitert die Marie Familie und verändert die Wahrnehmung des Möbels spürbar. Es verleiht dem Entwurf eine solide, fast skulpturale Anmutung, ohne die Leichtigkeit der Form zu verlieren. Gleichzeitig eröffnet es neue Möglichkeiten in der Gestaltung – Holz- und textile Bezüge stehen gleichwertig nebeneinander und lassen sich individuell kombinieren. Parallel dazu wird auch die Leya Kollektion weitergeführt. Ein neues Massivholzgestell ergänzt die bestehende Formsprache und bringt eine zusätzliche Ruhe in den Entwurf. Es ist eine Erweiterung, die nicht verändert, sondern präzisiert.

Trotz der unterschiedlichen Ansätze verbinden beide Handschriften eine klare Haltung. Es geht nicht um Effekte, nicht um kurzfristige Aufmerksamkeit. Sondern um Objekte, die bleiben. Die funktionieren. Die sich in Räume einfügen, ohne sich aufzudrängen.

Passend dazu setzt Freifrau auch visuell auf eine ruhige, zeitgenössische Bildsprache: Die aktuelle Kampagne wurde vom Warschauer Fotografen-Duo Pion Studio realisiert. Ihre Arbeiten verzichten auf Inszenierung im klassischen Sinn und konzentrieren sich stattdessen auf Licht, Materialität und präzise gesetzte Perspektiven. Räume wirken entschleunigt, fast reduziert, während die Objekte selbst in den Fokus rücken. Diese Zurückhaltung verstärkt, was die Entwürfe bereits mitbringen. Die Bilder begleiten die Möbel, ohne sie zu überhöhen, und führen die gestalterische Haltung konsequent weiter. Es entsteht ein Dialog zwischen Objekt und Raum, der nicht auf Wirkung zielt, sondern auf Präsenz.

Gerade in urbanen Kontexten zeigt sich diese Qualität besonders deutlich. Die Möbel wirken nicht wie Statements, sondern wie selbstverständliche Bestandteile eines Raumes. Sie strukturieren, ohne zu dominieren, und bleiben dabei offen für unterschiedliche Interpretationen. Vielleicht liegt genau darin die Stärke: Freifrau gelingt es, unterschiedliche gestalterische Ansätze zusammenzuführen, ohne sie zu vereinheitlichen. Klarheit und Weichheit stehen nicht im Widerspruch, sondern ergänzen sich. Reduktion trifft auf Bewegung, Struktur auf Komfort. Und genau daraus entsteht eine Haltung, die nicht erklärt werden muss – sondern spürbar ist. Weitere Informationen unter Freifrau

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