Der Sommer ist die einzige Jahreszeit, die sich nicht an Regeln hält. Mittagessen dauern plötzlich drei Stunden, Schuhe werden überbewertet und niemand interessiert sich ernsthaft dafür, welcher Wochentag gerade ist. Das Telefon verschwindet in der Strandtasche, die Uhr verliert ihre Bedeutung und der Tag endet selten dort, wo er begonnen hat. Vielleicht ist genau das der Grund, warum Sommermode seit jeher mehr ist als Kleidung. Sie erzählt von einer Haltung zum Leben. Von Leichtigkeit, Spontaneität und der Freiheit, den Moment wichtiger zu nehmen als den Plan. Genau dieses Lebensgefühl feiert Vilebrequin mit seiner Sommerkollektion 2026 – und erfindet den Mythos des Sommers überraschend neu. Der Titel „Surnaturalism“ klingt zunächst wie eine kunsthistorische Strömung und ist genau als solche gedacht. Inspiriert vom Surrealismus entwickelt die französische Maison eine Welt, in der Natur nicht länger einfach abgebildet wird, sondern zum Ausgangspunkt für Fantasie wird. Wasser fließt wie polierter Marmor, Korallen leuchten in übernatürlichen Farben, Quallen erinnern an Röntgenbilder und selbst Schildkröten entziehen sich jeder Erwartung. Realität und Traum beginnen miteinander zu verschwimmen. Saint-Tropez, die Heimat von Vilebrequin seit 1971, wird dabei weniger als geografischer Ort verstanden denn als Idee – als Synonym für einen Sommer, der sich niemals ganz erklären lässt.


Das wirkt erstaunlich zeitgemäß. Während der Alltag immer stärker von Effizienz, Terminen und permanenter Erreichbarkeit geprägt wird, wächst gleichzeitig die Sehnsucht nach Unbeschwertheit. Nach langen Nachmittagen am Wasser, nach salziger Haut, nach Leinenhemden im Wind und nach Abenden, die sich weigern, zu enden. Luxus bedeutet heute nicht zwangsläufig mehr Besitz, sondern mehr Zeit. Nicht Perfektion, sondern Leichtigkeit. Urlaub wird nicht länger als Flucht verstanden, sondern als Zustand. Genau hier setzt Surnaturalism an. Die Kollektion erzählt keine klassischen Urlaubsgeschichten und verzichtet bewusst auf die vertrauten Riviera-Klischees aus Palmen, Ankern und maritimen Streifen. Stattdessen entsteht eine Bildsprache voller Überraschungen. Farben lösen sich von der Realität, Muster spielen mit optischen Täuschungen und Unterwasserwelten verwandeln sich in grafische Kompositionen zwischen Kunst und Natur. Der Sommer wird nicht dokumentiert – er wird neu erfunden.
Vielleicht ist das auch eine kleine Gegenbewegung zu einer Welt, in der inzwischen jeder Strand gleich aussieht. Dieselben Sonnenuntergänge, dieselben Beach Clubs, dieselben perfekt inszenierten Urlaubsbilder. Vilebrequin erlaubt sich stattdessen etwas, das heute fast radikal wirkt: Fantasie. Die Kollektion feiert nicht den perfekten Urlaub, sondern die Freude am Unerwarteten. Sie erinnert daran, dass die schönsten Erinnerungen selten geplant sind. Hinter dieser spielerischen Leichtigkeit steckt jedoch erstaunlich viel technisches Know-how. Für die Herrenkollektion entwickelt Vilebrequin ein neues mikroperforiertes Hightech-Gewebe aus Japan, das außergewöhnlich leicht, atmungsaktiv und schnelltrocknend ist. Es trägt sich beinahe schwerelos und macht deutlich, dass Innovation heute nicht sichtbar sein muss, um spürbar zu sein. Ergänzt wird die Materialwelt durch Ramie – eine traditionsreiche Pflanzenfaser, die die Struktur von Leinen mit der Leichtigkeit feiner Baumwolle verbindet. So entstehen Hemden, die selbst an den heißesten Sommertagen kühl und entspannt wirken.


Auch die Damenkollektion folgt diesem Gedanken. Dreidimensional konstruierte Badeanzüge verleihen der Silhouette eine moderne, beinahe skulpturale Wirkung. Transparente Tüllkleider, fließende Layering-Looks und weiche Loungewear aus Bio-Baumwolle erweitern die klassische Strandgarderobe zu einer vollständigen Sommergarderobe. Resort Wear endet heute nicht mehr am Strand. Sie begleitet den gesamten Tag – vom ersten Kaffee am Hafen bis zum späten Dinner unter freiem Himmel. Ebenso selbstverständlich verschwimmen die Grenzen zwischen Beachwear und Ready-to-wear. Bestickte Espadrilles, Mokassins aus Veloursleder, leichte Schnürschuhe und großzügige Taschen begleiten den Weg vom Boot in die Altstadt oder vom Markt direkt zum Aperitif. Urlaub wird nicht länger in einzelne Momente unterteilt. Er entwickelt seinen eigenen Rhythmus – und die Kleidung folgt ihm.
Besonders spannend sind die künstlerischen Kooperationen der Saison. Gemeinsam mit dem französischen Künstler Fabrice Hyber beginnt Vilebrequin eine auf mehrere Kollektionen angelegte Zusammenarbeit, deren expressive Bildwelten zwischen Naturbeobachtung und Fantasie oszillieren. Parallel interpretiert das Pariser Label 3.Paradis den Sommer mit surrealen Landschaften, fliegenden Tauben und poetischen Motiven neu. Kunst wird hier nicht als dekoratives Zitat eingesetzt, sondern als kreativer Motor einer Kollektion, die den Mut besitzt, ihre eigene Realität zu erschaffen.

Dass sich diese Offenheit seit Jahrzehnten durch die Geschichte der Marke zieht, überrascht kaum. Aus einer legendären Badeshorts aus Saint-Tropez entwickelte sich eine internationale Lifestyle-Marke, die heute in mehr als 65 Ländern vertreten ist und längst weit über Swimwear hinausdenkt. Ready-to-wear, Accessoires und Beach Essentials gehören ebenso selbstverständlich dazu wie langlebige Materialien und kontinuierliche Innovationen. Qualität zeigt sich nicht nur im Design, sondern auch in dem Anspruch, Kleidung zu entwerfen, die viele Sommer überdauert.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke von Surnaturalism. Die Kollektion erzählt nicht vom perfekten Sommer, sondern von der Freiheit, ihn immer wieder neu zu erfinden. Zwischen Kunst und Natur, Hightech und Handwerk, Saint-Tropez und Fantasie entsteht eine Garderobe, die daran erinnert, dass Urlaub weit mehr ist als ein Ort auf der Landkarte. Er ist ein Zustand. Und manchmal beginnt er schon mit dem ersten Hemd, das der Wind erfasst. Weitere Informationen unter Vilebrequin

