Es gibt Marken, die laut sind, und solche, die sich Zeit lassen. Polène gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Seit der Gründung im Jahr 2016 verfolgt das Pariser Label eine Idee von Gestaltung, die weniger über Trends funktioniert als über Form, Material und ein sehr genaues Verständnis von Proportion. Taschen entstehen hier nicht als Accessoire, sondern als Objekt – gedacht, modelliert, entwickelt.
Im Zentrum steht Leder. Nicht als Oberfläche, sondern als Ausgangspunkt. Die Entwürfe leben von Kurven, Faltungen und Drapierungen, die nur funktionieren, wenn Material und Handwerk exakt aufeinander abgestimmt sind. Das Ergebnis sind Silhouetten, die organisch wirken, fast selbstverständlich, und gleichzeitig eine klare Spannung in sich tragen. Nichts daran ist zufällig, aber auch nichts wirkt konstruiert. Genau darin liegt die Stärke der Marke.


Entwickelt werden die Modelle im Pariser Studio, wo Designteam und Prototyping eng zusammenarbeiten. Dieser direkte Austausch prägt den gesamten Prozess: Ideen werden nicht einfach skizziert, sondern unmittelbar überprüft, angepasst, weitergedacht. Form entsteht hier im Dialog – zwischen Entwurf und Umsetzung, zwischen Konzept und Material. Erst danach geht es in die Produktion.
Gefertigt wird in Ubrique, einer kleinen Stadt in Andalusien, die seit Jahrzehnten für ihre Lederverarbeitung bekannt ist. Mehr als 1.800 Handwerker arbeiten dort an den Kollektionen, viele von ihnen mit einer Erfahrung, die über Generationen gewachsen ist. Präzision ist hier keine Behauptung, sondern Voraussetzung. Jeder Schnitt, jede Naht, jede Kante folgt einer Logik, die sich aus dem Material selbst ergibt.
Auch bei den Rohstoffen bleibt Polène konsequent. Das Leder stammt aus ausgewählten Gerbereien in Italien und Spanien, die eng mit der Marke zusammenarbeiten. Ziel ist nicht nur eine bestimmte Farbigkeit oder Haptik, sondern vor allem eine Qualität, die die Form trägt. Die Farbpalette bleibt entsprechend zurückhaltend: Sand, Cognac, Ecru, warme Neutraltöne. Farben, die nicht dominieren, sondern die Linien der Objekte unterstützen.


Interessant wird es dort, wo das System leicht aufbricht. Verschnittreste, die bei der Produktion entstehen, werden nicht entsorgt, sondern archiviert – und später in neue Projekte überführt. Unter dem Titel „Les Mains“ lädt Polène Designer und Handwerker ein, mit diesen Materialien zu arbeiten. So entstehen Einzelstücke, oft im Grenzbereich zwischen Design und Kunst. Vasen, Spiegel, Objekte, die zeigen, dass sich aus einem scheinbaren Nebenprodukt eigenständige Ideen entwickeln lassen.
Ein ähnlicher Ansatz zeigt sich in der Schmucklinie, die 2023 eingeführt wurde. Auch hier geht es weniger um klassische Schmuckcodes als um Form und Bewegung. Kollektionen wie „Éole“ oder „Eroz“ greifen Motive aus der Natur auf – Wind, Gestein, Strukturen –, übersetzen sie aber nicht direkt, sondern abstrahieren sie. Gefertigt werden die Stücke in spezialisierten Werkstätten in Norditalien, unter anderem im Wachsausschmelzverfahren, das komplexe, fließende Formen ermöglicht. Technisch aufwendig, visuell reduziert.
Dass Natur für Polène mehr ist als Referenz, zeigt sich auch in der Inszenierung der Kollektionen. Kampagnen entstehen bewusst außerhalb klassischer Settings, oft in offenen Landschaften, reduziert, fast still. Die Produkte wirken darin nicht platziert, sondern eingebettet. Eine Entscheidung, die zur Gesamtidee passt: weniger Inszenierung, mehr Kontext.


Auch die Boutiquen folgen dieser Logik. Paris, New York, Tokio – Räume, die nicht überladen sind, sondern konzentriert sind. Materialien wie Travertin, Holz, unbehandelte Oberflächen. Möbel, die eigens entwickelt wurden und das Handwerk sichtbar machen, statt es zu verstecken. Selbst Details wie Tische aus gepressten Lederresten greifen die Idee der Weiterverarbeitung wieder auf.
Polène funktioniert nicht über große Gesten. Die Marke baut langsam, präzise, mit einem klaren Verständnis dafür, wie Design heute aussehen kann, wenn man es ernst nimmt. Zwischen handwerklicher Tradition und zeitgenössischer Form entsteht so etwas wie eine eigene Sprache – leise, aber sehr eindeutig. Weitere Informationen unter Polène

