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Weniger, aber klarer

Der Salone del Mobile ist ein Ausnahmezustand aus Bildern, Eindrücken und permanentem Perspektivwechsel – Installationen, die um Aufmerksamkeit ringen, Marken, die ihre Geschichten in immer neuen Inszenierungen erzählen. Nach Tagen zwischen Showrooms, Palazzi und temporären Räumen bleibt meist ein dichtes visuelles Rauschen zurück. Und doch sind es oft die ruhigeren Positionen, die sich festsetzen. Der Auftritt von Schönbuch während der Milan Design Week 2026 gehört genau zu diesen Momenten, die sich nicht über Lautstärke definieren, sondern über Präzision. Im temporären Showroom entstand eine Atmosphäre, die weniger auf Effekt setzte als auf Konzentration – eine bewusst gesetzte Gegenbewegung zu einem Umfeld, das von Geschwindigkeit und Überreizung geprägt ist.

Unter dem Leitmotiv „The Art of Refinement“ formuliert Schönbuch eine Kollektion, die Reduktion nicht als gestalterische Geste versteht, sondern als Methode. Es geht um das gezielte Weglassen, um die Entscheidung für Klarheit und um die Frage, wie sich Tiefe ohne Überladung erzeugen lässt. Bekannte Entwürfe werden weitergedacht, Details geschärft, Oberflächen verfeinert. Farbe tritt dabei nicht als dekoratives Element auf, sondern als strukturgebendes Prinzip, das Flächen gliedert und Räume definiert. Materialien wirken nicht isoliert, sondern im Dialog miteinander – Holz, Lack und mineralische Oberflächen reagieren auf Licht, verändern ihre Präsenz und erzeugen subtile Übergänge. Diese Haltung zieht sich konsequent durch die Collection 2026 und macht deutlich, dass Luxus hier über Genauigkeit entsteht, über Proportion, über das Zusammenspiel von Volumen und Leere.

Eine zentrale Position innerhalb der Kollektion nimmt Carole Baijings ein. Die niederländische Designerin arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten an einem Werk, das Farbe, Material und Form als untrennbare Einheit begreift. Bekannt wurde sie als Mitgründerin von Scholten & Baijings, heute ist sie eigenständig tätig und bewegt sich zwischen Amsterdam und Paris. Ihr Ansatz ist geprägt von einem fast atelierhaften Prozess, in dem Modelle, Materialien und Farbverläufe schrittweise entwickelt werden. Diese Nähe zum Objekt zeigt sich in einer Genauigkeit, die bis ins Detail reicht: Proportionen sind fein ausgearbeitet, Oberflächen präzise definiert, Übergänge bewusst gestaltet. Für Schönbuch entwickelte Baijings bereits die Beistelltischfamilie TOMO, ein System mit klarer, eckiger Formensprache, das durch das Zusammenspiel farbiger Flächen eine besondere visuelle Spannung erzeugt. Mit der neuen LINE Special Edition führt sie diesen Ansatz weiter und verschiebt den Fokus noch stärker auf die Wirkung von Farbe im Raum. Drei fein abgestimmte Farbverläufe verleihen der Wandgarderobe eine neue Tiefe und machen sie zu einem Objekt, das sich je nach Lichtsituation verändert. Farbe wird hier nicht aufgetragen, sondern aufgebaut, Schicht für Schicht, bis sie eine räumliche Qualität entwickelt, die über das rein Visuelle hinausgeht.

Parallel dazu erfährt das von Jehs+Laub entwickelte System STRIPES eine Weiterentwicklung, die seine architektonische Dimension deutlicher hervorhebt. Die vertikalen Streifen, die dem System seinen Namen geben, strukturieren nicht nur die Oberfläche, sondern definieren die gesamte Konstruktion. In unterschiedlichen Breiten angelegt, lassen sie sich einzeln oder kombiniert einsetzen und ermöglichen eine Vielzahl von Konfigurationen – als Schrank, Sideboard oder Sitzbank. Das Update erweitert diese Möglichkeiten um neue Details: Eingriffe können farblich akzentuiert oder mit Holz furniert werden, Türen sind als Dreh- oder Schiebetüren mit Selbsteinzug erhältlich, Sideboards stehen optional auf schlanken Schwertfüßen. Abdeckplatten aus Lack, Holz oder Mineralstein bringen unterschiedliche Materialitäten ins Spiel und verändern die Wirkung des Möbels je nach Kontext. Abgerundete Wangen sorgen für weichere Übergänge und nehmen der strengen Geometrie eine gewisse Härte, ohne ihre Klarheit zu verlieren. Auch im Inneren bleibt das System konsequent: Fachböden, Auszüge und funktionale Elemente lassen sich individuell planen und schaffen Ordnung, die sich nicht in den Vordergrund drängt.

So entsteht eine Kollektion, die weniger über einzelne Objekte funktioniert als über ein zusammenhängendes Verständnis von Raum. Schönbuch zeigt, wie Möbel zu strukturellen Elementen werden können, die Räume gliedern, Blickachsen lenken und Bewegungen definieren. Die Collection 2026 bleibt dabei bewusst zurückhaltend und entfaltet gerade daraus ihre Wirkung. Nichts ist zufällig, nichts überladen, alles folgt einer klaren gestalterischen Logik, die sich erst mit der Zeit vollständig erschließt. Inmitten eines Salone, der von starken Bildern und schnellen Eindrücken lebt, setzt Schönbuch damit ein leises, aber nachhaltiges Zeichen – eines, das nicht im Moment verpufft, sondern nachwirkt. Weitere Informationen unter Schönbuch

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