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Neapel auf 1.800 Metern

Es gibt kulinarische Pop-ups. Und dann gibt es jene Begegnungen, die weit mehr sind als bloßes Gastspiel. Wenn eine der bekanntesten Pizzerien Neapels plötzlich inmitten der Schweizer Alpen ihre Öfen anheizt, treffen zwei Welten aufeinander, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. Genau darin liegt der Reiz. Vom 27. Juli bis 24. August verwandelt sich die Terrasse des The Alpina Gstaad erneut in eine Bühne für Concettina ai Tre Santi – und macht deutlich, dass große Genussmomente längst keine Landesgrenzen mehr kennen. Pizza gehört zu den meistkopierten Gerichten der Welt. Fast jede Stadt besitzt ihre angeblich authentische Variante, unzählige Konzepte werben mit italienischer Tradition. Doch nur wenige Orte verkörpern diese Geschichte tatsächlich. Concettina ai Tre Santi zählt dazu. Die Pizzeria im traditionsreichen Rione Sanità ist weit mehr als ein kulinarischer Hotspot. Sie ist Teil der Identität eines Viertels, dessen Geschichte, Familienkultur und Gastfreundschaft seit Generationen eng mit diesem Ort verbunden sind.

Heute führt Ciro Oliva das Familienunternehmen bereits in vierter Generation. Dabei verfolgt er einen bemerkenswerten Ansatz: Innovation entsteht nicht durch den Bruch mit der Vergangenheit, sondern durch deren konsequente Weiterentwicklung. Der Teig folgt bis heute denselben Grundprinzipien, viele Abläufe haben sich über Jahrzehnte kaum verändert. Moderne Kreationen entstehen nicht aus Effekthascherei, sondern aus Respekt vor dem Handwerk. Genau diese Mischung aus Authentizität und kreativer Offenheit hat Concettina längst zu einer der prägendsten Adressen der zeitgenössischen neapolitanischen Pizzakultur gemacht. Dass diese Philosophie nun erneut nach Gstaad reist, wirkt beinahe selbstverständlich. Bereits im vergangenen Sommer entwickelte sich die Zusammenarbeit zu einem der kulinarischen Highlights der Saison. Die Rückkehr ist deshalb weniger Wiederholung als konsequente Fortsetzung einer Idee, die hervorragend funktioniert: Spitzenhotellerie trifft auf eine der ursprünglichsten Esskulturen Italiens.

Die Kulisse könnte kontrastreicher kaum sein. Während in Neapel enge Gassen, Stimmengewirr und mediterranes Leben den Rhythmus bestimmen, öffnet sich in Gstaad der Blick auf Wälder, Berggipfel und die ruhige Weite des Berner Oberlands. Genau diese Gegensätze verleihen dem Konzept seine besondere Spannung. Unter freiem Himmel entstehen frisch gebackene neapolitanische Pizzen, deren Duft sich mit klarer Alpenluft mischt. Statt Inszenierung dominiert Leichtigkeit. Essen wird hier nicht zum Event, sondern wieder zu dem, was es ursprünglich war: ein Anlass, gemeinsam Zeit zu verbringen. Gerade diese Unkompliziertheit passt überraschend gut zur Philosophie des The Alpina Gstaad. Das vielfach ausgezeichnete Fünf-Sterne-Hotel gehört zu den renommiertesten Häusern der Schweiz und interpretiert Luxus bewusst zurückhaltend. Statt opulenter Selbstdarstellung stehen Materialien, Handwerkskunst, Ruhe und Individualität im Mittelpunkt. Die 56 Zimmer und Suiten verbinden regionale Tradition mit zeitgenössischem Design und schaffen eine Atmosphäre, in der Exklusivität nie laut wirken muss.

Auch kulinarisch verfolgt das Haus konsequent diesen Anspruch. Mehrere Restaurants prägen das gastronomische Profil – von der japanisch inspirierten Küche des Megu bis zum Sharing-Konzept des Monti oder dem traditionellen Schweizer Stübli. Regionale Produkte spielen dabei ebenso selbstverständlich eine Rolle wie internationale Einflüsse. Dass nun ausgerechnet eine legendäre Pizzeria Teil dieses kulinarischen Kosmos wird, erscheint deshalb weniger als Überraschung denn als logische Erweiterung. Interessant ist dabei vor allem der Perspektivwechsel. Pizza gilt vielerorts noch immer als unkompliziertes Alltagsgericht. Gleichzeitig erlebt kaum ein anderes Lebensmittel derzeit eine vergleichbare kulturelle Aufwertung. Spitzenköche beschäftigen sich mit Fermentation, Mehlqualitäten und Reifezeiten, traditionelle Holzöfen werden ebenso ernst genommen wie große Weinbegleitungen. Die Grenzen zwischen Fine Dining und vermeintlicher Alltagsküche verschwimmen zunehmend. Concettina ai Tre Santi gehört zu jenen Betrieben, die diese Entwicklung entscheidend geprägt haben, ohne ihre Ursprünglichkeit zu verlieren.

Besonders deutlich wird dies zwischen dem 13. und 16. August. Dann reist Ciro Oliva persönlich nach Gstaad und bringt nicht nur seine berühmten Signature-Pizzen mit, sondern gibt in exklusiven Masterclasses Einblicke in jene Handwerkskunst, die seine Familie seit Generationen auszeichnet. Dabei geht es weniger um perfekte Rezepte als um Haltung. Gute Pizza beginnt lange bevor der Teig in den Ofen kommt – bei Zeit, Geduld, hochwertigen Zutaten und dem Wissen, dass Einfachheit oft die größte Herausforderung ist. Diese Haltung macht Concettina weltweit interessant. Über Pop-ups, Private Dinners und internationale Kooperationen verlässt das Team regelmäßig Neapel, ohne den eigenen Charakter zu verändern. Jede Station entwickelt ihre eigene Dynamik, doch das Grundprinzip bleibt identisch: familiäre Atmosphäre statt steifer Perfektion, großzügige Gastfreundschaft statt Inszenierung und ein gemeinsamer Tisch als Mittelpunkt des Erlebnisses.

Genau darin liegt vielleicht auch der eigentliche Erfolg solcher Kooperationen. Reisende suchen heute nicht mehr ausschließlich spektakuläre Orte oder luxuriöse Ausstattungen. Gefragt sind Geschichten, Begegnungen und Erlebnisse mit kultureller Tiefe. Wenn regionale Identität auf neue Kontexte trifft, entstehen Momente, die deutlich länger in Erinnerung bleiben als klassische Gourmet-Menüs oder aufwendig kuratierte Degustationen. Dass sich diese Erfahrung ausgerechnet auf einer Sonnenterrasse in Gstaad entfaltet, während wenige Meter weiter die Gipfel der Schweizer Alpen den Horizont bestimmen, verleiht dem Ganzen zusätzliche Strahlkraft. Zwischen mediterraner Lebensfreude und alpiner Gelassenheit entsteht ein ungewöhnlicher Dialog, der zeigt, dass Genuss keine geografischen Grenzen kennt.

So wird aus einer Pizza weit mehr als eine Mahlzeit. Sie erzählt von einer neapolitanischen Familiengeschichte, von jahrzehntelang gepflegtem Handwerk und von der erstaunlichen Fähigkeit guter Küche, Menschen unabhängig von Herkunft oder Sprache an einem Tisch zusammenzubringen. Genau deshalb gehört dieses sommerliche Gastspiel zu den spannendsten kulinarischen Adressen der Saison – nicht weil es spektakulär sein will, sondern weil es authentisch bleibt. Weitere Informationen unter The Alpina Gstaad

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