Handwerk ist bei HANRO kein nostalgischer Verweis, sondern Ausgangspunkt für Bewegung. Mit „atelier“ öffnet die Marke einen Raum, in dem sich Tradition nicht konserviert, sondern weiterentwickelt. Der Fokus liegt auf Begegnungen – mit Künstlern, Gestaltern, Perspektiven, die das Bestehende nicht bestätigen, sondern verschieben. Für Spring/Summer 2026 entsteht in diesem Kontext ein Dialog mit der Berliner Malerin Charlotte Adam, der weniger als klassische Kollaboration gedacht ist, sondern als Annäherung zweier eigenständiger Handschriften.
Charlotte Adams Arbeiten bewegen sich zwischen feiner Beobachtung und spielerischer Leichtigkeit. Ihre Bildwelt greift Alltägliches auf, verschiebt es minimal und verleiht ihm eine neue Aufmerksamkeit. Kleine Gesten, beiläufige Momente, scheinbar Nebensächliches – genau dort entsteht eine Form von Poesie, die nicht laut ist, aber präsent bleibt. Diese Haltung überträgt sich auf die Kollektion, ohne eins zu eins übersetzt zu werden. Stattdessen entstehen textile Bilder, die das Gefühl ihrer Malerei aufnehmen und in Material, Schnitt und Farbe weiterführen.






Die Capsule „Souvenirs“ umfasst zwölf Teile und folgt einer Idee von Kleidung als Begleiter. Inspiriert von Reisemomenten, von Postkarten, Stempeln und der Ästhetik vergangener Jahrzehnte, entwickelt sich ein Spannungsfeld zwischen Erinnerung und Gegenwart. Seaside, City, Countryside – drei Szenarien, die nicht als feste Kategorien erscheinen, sondern als lose Assoziationen, die sich in Farben, Motiven und Details widerspiegeln. Es geht weniger um konkrete Orte als um Stimmungen, um das Gefühl von Unterwegssein und Ankommen zugleich.
Formal bleibt die Kollektion nah an den ikonischen Linien des Hauses. Klassiker wie „Touch Feeling“ oder „Natural Shirts“ dienen als Ausgangspunkt, werden jedoch subtil verschoben. Rippenstrukturen, klare Silhouetten und reduzierte Schnitte bilden die Basis, auf der sich neue Akzente entwickeln. Ein Seidentop aus der „Grand Central“-Linie bringt eine weichere, fließendere Note ins Spiel, während ein Shirt mit Matrosenkragen eine leise Referenz an maritime Codes setzt, ohne ins Dekorative zu kippen.
Farblich setzt die Kollektion auf Klarheit. Estate Blue, Cherry Red und Branch Green wirken präzise gesetzt, fast grafisch, und erzeugen eine Spannung zwischen Frische und Tiefe. Diese Töne stehen nicht für Lautstärke, sondern für Präsenz. Sie strukturieren die Looks, ohne sie festzulegen, und lassen sich unterschiedlich kombinieren, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Gerade in Verbindung mit den wiederkehrenden Motiven entsteht eine visuelle Kontinuität, die die einzelnen Teile miteinander verbindet und ihnen eine ruhige Selbstverständlichkeit verleiht.






Auffällig ist, wie konsequent sich die Grenze zwischen Loungewear und Ready-to-Wear auflöst. Die Silhouetten bleiben entspannt, aber nie beliebig. Elastische Bundlösungen, fließende Stoffe und klare Linien erzeugen eine Form von Komfort, die nicht als Gegenpol zu Gestaltung verstanden wird, sondern als deren Voraussetzung. Kleidung wird hier nicht inszeniert, sondern getragen – und genau darin liegt ihre Stärke. Sie begleitet Bewegungen, passt sich Situationen an und bleibt dabei stets klar in ihrer Aussage.
Die Kollektion versteht sich nicht als kurzfristiger Impuls, sondern als Teil einer größeren Entwicklung. „atelier“ fungiert als Plattform, die das Erbe von HANRO nicht ausstellt, sondern in Bewegung hält. Die Verbindung von handwerklicher Präzision und künstlerischem Blick schafft eine Form von Dialog, der über das Produkt hinausgeht. Es entsteht ein Raum, in dem Design nicht abgeschlossen ist, sondern offen bleibt für Interpretation und persönliche Aneignung.
So wird „Souvenirs“ weniger zu einer Kollektion im klassischen Sinne als zu einer Momentaufnahme – geprägt von Erinnerung, geprägt von Gegenwart, getragen von der Idee, dass Kleidung mehr sein kann als Funktion. Sie wird zum Medium, das Erfahrungen aufnimmt, weitergibt und neu ordnet. Und genau darin liegt ihre Relevanz: nicht im Trend, sondern im Gefühl, das bleibt, sich weiterentwickelt und immer wieder neu gelesen werden kann. Weitere Informationen unter HANRO

