Viele Marken verändern ihre Logos. Andere ihre Farbwelten. Manche verpflichten prominente Gesichter und erklären den Neustart mit einer Kampagne. Doch Identität entsteht nicht durch neue Bilder. Sie zeigt sich erst dann, wenn Produkte, Kommunikation und Unternehmenskultur dieselbe Sprache sprechen. Genau daran scheitern viele Erneuerungen – weil sie an der Oberfläche beginnen. Für DRESSLER markiert die Autumn/Winter-Kollektion 2026 deshalb weit mehr als den Wechsel in eine neue Saison. Erstmals tritt die über Monate entwickelte Neuausrichtung geschlossen nach außen in Erscheinung. Die Kollektion bildet dabei nur einen Teil eines umfassenderen Wandels, der vom digitalen Auftritt über die Bildsprache bis hin zur Präsentation im stationären Handel reicht. Aus einzelnen Maßnahmen entsteht eine klar erkennbare Handschrift.
Das kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich klassische Herrenmode neu definiert. Der Anzug ist längst nicht mehr die tägliche Uniform einer Geschäftswelt mit festen Dresscodes. Er wird heute bewusster gewählt – für besondere Anlässe, wichtige Termine oder schlicht, weil gut gemachte Kleidung wieder als Ausdruck persönlicher Wertschätzung verstanden wird. Qualität ersetzt Lautstärke, Präzision schlägt Inszenierung. Eleganz wirkt heute leiser als noch vor wenigen Jahren. Genau diese Entwicklung spiegelt die neue Kollektion wider. Unter dem Leitmotiv THE STATEMENT verbindet DRESSLER präzises Tailoring mit zeitlosen Proportionen, hochwertigen Materialien und einer Silhouette, die Komfort ebenso ernst nimmt wie klassische Schneiderkunst. Die Entwürfe verzichten bewusst auf modische Übertreibungen. Statt kurzfristigen Trends hinterherzulaufen, entsteht eine Garderobe, die über Saisons hinweg Bestand haben soll.






Besonders interessant ist dabei weniger das einzelne Kleidungsstück als die strategische Entscheidung dahinter. Traditionsunternehmen stehen heute vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Wer sich ausschließlich auf seine Vergangenheit beruft, läuft Gefahr, museal zu wirken. Wer seine Herkunft vollständig hinter sich lässt, verliert Glaubwürdigkeit. Erfolgreich wird eine Neuausrichtung erst dann, wenn Geschichte nicht konserviert, sondern weiterentwickelt wird. DRESSLER nutzt seine Wurzeln deshalb nicht als nostalgisches Verkaufsargument, sondern als Fundament. Seit der Gründung im Jahr 1929 steht das Unternehmen für hochwertige Konfektion und sorgfältige Materialauswahl. Diese Werte bleiben erhalten, werden jedoch in eine Gegenwart übersetzt, in der Konsumenten Authentizität stärker hinterfragen als Markenversprechen. Herkunft gewinnt wieder an Bedeutung – allerdings nur dann, wenn sie sich auch im Produkt nachvollziehen lässt.






Parallel zur Kollektion wurde deshalb die gesamte visuelle Sprache überarbeitet. Website, internationale Social-Media-Kommunikation und neue Flächenkonzepte im Handel folgen derselben gestalterischen Logik. Jeder Kontakt mit der Marke soll dieselbe Qualität vermitteln – unabhängig davon, ob er auf einem Smartphone beginnt oder in einem Geschäft endet. Gerade im Premiumsegment entscheidet heute nicht mehr allein das Produkt über den Eindruck einer Marke, sondern die Konsequenz, mit der sie sich an jedem Berührungspunkt präsentiert. Diese Entwicklung ist längst branchenübergreifend zu beobachten. Erfolgreiche Unternehmen verkaufen heute keine einzelnen Produkte mehr, sondern schaffen Orientierung in einer zunehmend austauschbaren Konsumwelt. Menschen kaufen nicht nur Stoffe, Schnitte oder Materialien. Sie entscheiden sich für eine Haltung zur Qualität, für Verlässlichkeit und für eine Ästhetik, die nicht nach wenigen Monaten überholt wirkt.



Auch deshalb gewinnt Reduktion wieder an Bedeutung. Während viele Labels auf immer schnellere Impulse setzen, wächst gleichzeitig der Wunsch nach Beständigkeit. Weniger Kollektionen, bewusstere Kaufentscheidungen und langlebige Produkte prägen zunehmend das obere Marktsegment. Luxus definiert sich heute weniger über Sichtbarkeit als über Substanz. Gute Verarbeitung, exzellente Stoffe und präzise Schnitte sprechen häufig überzeugender als jedes Logo. Mit der Autumn/Winter-Saison 2026 übersetzt DRESSLER diesen Gedanken in eine konsistente Markenwelt. Die Kollektion wird nicht isoliert präsentiert, sondern ist Teil einer größeren Entwicklung, in der Produkt, Kommunikation und Präsentation ineinandergreifen. Dadurch entsteht kein kurzfristiger Relaunch, sondern ein langfristig angelegter Markenaufbau.

Fast ein Jahrhundert nach der Unternehmensgründung zeigt sich damit eine bemerkenswerte Entwicklung. Nicht der Wunsch, jünger zu wirken, steht im Mittelpunkt, sondern der Anspruch, relevanter zu werden. Die größte Veränderung besteht deshalb vielleicht nicht in neuen Schnitten oder einer neuen Bildsprache, sondern in der Klarheit, mit der DRESSLER heute vermittelt, wofür die Marke stehen möchte. Gerade in einer Zeit permanenter Reizüberflutung wirkt diese Konzentration überraschend zeitgemäß.


The Regular Paper traf Thomas Jaeger, Geschäftsführer von DRESSLER, zum Gespräch.
DRESSLER blickt auf nahezu ein Jahrhundert Markengeschichte zurück. Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen notwendiger Erneuerung und dem Verlust der eigenen Identität?
Marken müssen sich weiterentwickeln, um relevant zu bleiben und auf eine Welt zu reagieren, die sich kontinuierlich verändert. Bei DRESSLER verbinden wir unsere Herkunft und unsere gewachsenen Stärken mit den Anforderungen der Gegenwart. Wir erweitern die Kollektion um neue Produktgruppen und entwickeln aus dem klassischen Anzug heraus einen modernen Total Look. Gemeinsam mit einer zeitgemäßen Bildsprache entsteht so ein klares, unverwechselbares Markenbild, ohne dass DRESSLER seine Wurzeln verliert.
Der klassische Anzug spielt heute eine völlig andere Rolle als noch vor zwanzig Jahren. Was erwartet eine neue Generation von Kunden von hochwertiger Herrenmode?
Die neue Generation erwartet Qualität, Passform und Individualität – Werte, die DRESSLER seit jeher prägen. Seit 1929 steht die Marke für Handwerkskunst, hochwertige Materialien und präzise Verarbeitung. Heute übersetzen wir diese Stärken in moderne Silhouetten und zeitgemäße Looks. Gefragt ist Mode, die sich selbstverständlich anfühlt, den persönlichen Stil unterstreicht und dem Träger ermöglicht, ganz er selbst zu sein, statt sich verkleidet zu fühlen.
Sie sprechen von einer umfassenden Neuausrichtung. Was war auf diesem Weg die größere Herausforderung: das Produkt weiterzuentwickeln oder die Denkweise hinter der Marke zu verändern?
Beides bedingt sich gegenseitig. Das Produkt ist der sichtbare Ausgangspunkt: Wir ergänzen neue Produktgruppen, entwickeln moderne Silhouetten und schaffen einen vollständigen Look. Die größere Herausforderung besteht jedoch darin, die neue Markenidentität im gesamten Vertriebsteam zu verankern und gemeinsam nach außen zu tragen. Nur so wird die Weiterentwicklung von DRESSLER für unsere Kunden an allen Kontaktpunkten klar und konsistent erkennbar.
Viele Unternehmen erzählen heute ihre Geschichte neu. Welche Werte aus der Historie von DRESSLER sind für Sie unverzichtbar – und von welchen Vorstellungen musste sich das Unternehmen bewusst verabschieden?
Markenerneuerung bedeutet nicht, die eigene Geschichte neu zu schreiben, sondern sie für die Zukunft relevant zu machen. Unverzichtbar bleiben unsere Produktkompetenz, unser Qualitätsanspruch und die Verbindung von Handwerkskunst und präziser Passform. Verabschiedet haben wir uns weniger von grundlegenden Überzeugungen als von einer zu starren Interpretation unserer Geschichte. Heute übertragen wir unsere gewachsenen Stärken auf eine modernere und umfassendere Kollektion – und damit auf das DRESSLER von heute und morgen.
Wenn jemand DRESSLER heute zum ersten Mal begegnet – online oder im Handel –, welcher Gedanke soll nach diesem Kontakt bleiben?
Vor allem einer: Das möchte ich tragen. DRESSLER verbindet anspruchsvolle, moderne Looks mit hoher Qualität und präziser Passform. Dahinter stehen fast 100 Jahre Erfahrung und Handwerkskunst. So entsteht eine selbstverständliche Mischung aus Tradition und Gegenwart, Beständigkeit und Zeitgeist, die DRESSLER unverwechselbar und begehrenswert macht.

