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Material wird Emotion

Die Herbst/Winterkollektion 2026 von Akris erzeugt ihre Wirkung nicht über plakative Statements oder überinszenierte Effekte, sondern über Materialität, Präzision und eine stille Intensität, die sich erst beim genauen Hinsehen vollständig erschließt. Genau darin liegt seit jeher die besondere Stärke von Albert Kriemler. Seine Kollektionen drängen sich nie in den Vordergrund, sie entwickeln Charakter über Proportion, handwerkliche Qualität und die Wirkung ihrer Oberflächen. Für Herbst/Winter 2026 richtet Kriemler den Blick auf die kolumbianische Textilkünstlerin Olga de Amaral, deren Arbeiten seit Jahrzehnten als außergewöhnliche Verbindung aus Kunst, Architektur und textilem Handwerk gelten. Ihre gewebten Strukturen, Knoten, Flechtungen und goldschimmernden Oberflächen bilden dabei nicht bloß eine visuelle Referenz, sondern die atmosphärische Grundlage der gesamten Kollektion. Besonders prägend ist Amarals Verständnis von Farbe. Für sie war Farbe niemals reine Dekoration, sondern etwas Emotionales, Körperliches, beinahe Spirituelles. Genau dieses Gefühl überträgt Kriemler auf die Taschen der Kollektion.

Die neuen Modelle wirken deshalb weniger wie klassische Accessoires als vielmehr wie Objekte mit eigener Präsenz. Sie entstehen aus Materialien, die Tiefe besitzen, Licht unterschiedlich aufnehmen und sich über ihre Oberflächen definieren. Die ikonische Ai Tote steht dabei im Zentrum der Kollektion und erscheint in einer besonders taktilen Interpretation. Shearling, Suede und weiches Alcecalf verleihen der Tasche eine ruhige, beinahe beruhigende Materialität. Farbtöne wie Coffee, Charcoal oder Forest Green wirken bewusst zurückgenommen und erinnern an natürliche Pigmente, dunkle Wälder oder die gedämpften Farben gewebter Stoffe. Gerade diese kontrollierte Zurückhaltung erzeugt eine Form von Luxus, die nicht laut kommuniziert werden muss. Die Taschen wirken selbstverständlich hochwertig, ohne jemals demonstrativ zu erscheinen.

Auch die Alice Top Handle Bag folgt diesem Gedanken konsequent weiter. Ihre klare Form wirkt fast architektonisch, gleichzeitig entwickeln die Materialien eine enorme emotionale Wärme. Besonders das Modell aus Merlot Red Softcalf verändert seinen Ausdruck je nach Licht und Bewegung. Der Riemen aus Kaschmir-Ziegenhaar bringt eine weiche, beinahe textile Komponente ins Spiel, während schwarzes Horsehair und kristallbesetzter Silk Satin die Grenze zwischen Daywear und Eveningwear verschwimmen lassen. Dennoch bleibt alles kontrolliert und präzise. Nichts wirkt ornamental oder überladen. Selbst Glamour erscheint hier reduziert, beinahe beiläufig. Genau diese Ruhe macht die Tasche interessant. Sie versucht nicht Aufmerksamkeit zu erzwingen, sondern entwickelt Wirkung über Proportion, Oberfläche und Licht.

Am stärksten zeigt sich die experimentellere Seite der Kollektion bei der Anouk Bag. Hier arbeitet Kriemler mit Fransen, spiegelnden Ledern, türkisfarbenem Aalleder, Gold-Eel-Finishes und schwarzen Pailletten. Die Materialien verändern permanent ihre Wirkung, reagieren auf Bewegung und erzeugen eine fast skulpturale Präsenz. Trotzdem bleibt auch hier alles bemerkenswert fokussiert. Die Tasche wirkt nie wie ein dekoratives Statement-Piece, sondern eher wie die textile Übersetzung eines Kunstobjekts. Gerade in diesen Momenten wird die Verbindung zu Olga de Amaral besonders sichtbar. Ihre Arbeiten lebten stets davon, Licht, Material und Struktur miteinander in Beziehung zu setzen und textile Oberflächen in etwas Räumliches zu transformieren. Kriemler greift diesen Gedanken auf, ohne ihn direkt zu zitieren. Statt offensichtlicher Referenzen entstehen subtile Übersetzungen, die der Kollektion Tiefe geben.

Überhaupt verzichtet Akris für Herbst/Winter 2026 bewusst auf modische Lautstärke. Während viele Luxusmarken weiterhin auf Logos, aggressive Statements oder maximale Sichtbarkeit setzen, konzentriert sich die Kollektion auf eine andere Form von Präsenz. Die Taschen funktionieren über Haptik, Verarbeitung und die Qualität ihrer Materialien. Sie wirken nicht wie kurzfristige Trendobjekte, sondern wie Dinge, die mit der Zeit an Charakter gewinnen. Genau darin liegt ihre Modernität. Luxus entsteht hier nicht durch Überfluss, sondern durch Konzentration. Durch die Fähigkeit, Materialien sprechen zu lassen und Reduktion spannender wirken zu lassen als Inszenierung.

So entwickelt die Kollektion eine Atmosphäre, die ruhig bleibt und gerade dadurch hängen bleibt. Nicht alles muss sofort Aufmerksamkeit erzeugen. Manche Dinge gewinnen ihre Stärke erst über Nähe, Bewegung und Detail. Genau diese stille Form von Präsenz prägt die neuen Taschen von Akris. Sie werden nicht einfach gesehen, sondern wahrgenommen.

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