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Less Noise, More Sound

Auf der 3daysofdesign gehört Aufmerksamkeit zu den wichtigsten Währungen. Neue Möbel, neue Leuchten, neue Ideen konkurrieren um Blicke und Kameras. In der Møntergade 19 wird ein anderer Weg eingeschlagen. Statt Aufmerksamkeit einzufordern, lädt die Installation von Dynaudio und Karimoku Case dazu ein, für einen Moment langsamer zu werden und genauer hinzuhören. Eine bemerkenswerte Entscheidung in einer Designwelt, die oft von Geschwindigkeit, Neuheiten und visuellen Reizen geprägt ist. Unter dem Titel „A Moving Presence“ entsteht während der Designwoche ein Ort, an dem Klang, Material und Architektur eine gemeinsame Sprache sprechen und die übliche Trennung zwischen Objekt und Erlebnis zunehmend an Bedeutung verliert.

Die Zusammenarbeit zwischen dem dänischen Audiounternehmen Dynaudio und der japanischen Möbelmarke Karimoku Case wirkt dabei weniger wie eine klassische Kooperation als vielmehr wie die Begegnung zweier Kulturen, die sich seit Jahrzehnten mit ähnlichen Fragen auseinandersetzen. Wie fühlt sich Qualität an? Welche Rolle spielt Handwerk in einer zunehmend digitalen Welt? Und wie lassen sich Räume gestalten, die nicht nur funktionieren, sondern Emotionen auslösen? Antworten darauf werden hier nicht formuliert, sondern erfahrbar gemacht. Beide Unternehmen verbinden eine bemerkenswerte Konzentration auf Details, die oft erst auf den zweiten Blick sichtbar werden. Nicht die große Geste steht im Mittelpunkt, sondern die Summe präziser Entscheidungen, die am Ende Atmosphäre erzeugen.

Im Zentrum der Installation steht Opus One, ein Audiosystem, das sich bewusst den bekannten Kategorien entzieht. Es ist Lautsprecher, Möbelstück und skulpturales Objekt zugleich. Während viele technische Produkte möglichst unsichtbar werden wollen, besitzt Opus One eine selbstverständliche physische Präsenz. Gleichzeitig tritt die Technik optisch in den Hintergrund. Entscheidend ist nicht das Gerät selbst, sondern die Art und Weise, wie es den Raum verändert. Musik scheint nicht aus einer bestimmten Richtung zu kommen. Sie löst sich von ihrem Ursprung, breitet sich aus und legt sich über Wände, Böden und Möbel. Klänge gewinnen an Tiefe, Texturen werden greifbarer, selbst vertraute Musikstücke wirken plötzlich anders. Der Raum wird nicht beschallt, sondern neu definiert.

Genau hier beginnt der Dialog mit Karimoku Case. Die japanische Marke steht seit Jahren für Möbel, die durch Zurückhaltung überzeugen. Nichts wirkt überzeichnet oder dekorativ. Stattdessen entsteht eine stille Form von Luxus, die sich über Materialität, Proportionen und handwerkliche Präzision definiert. Die für die Installation ausgewählten Möbel und Objekte begleiten den Klang nicht nur, sondern reagieren auf ihn. Holz wird dabei zum verbindenden Element. Es absorbiert, reflektiert und strukturiert den Raum. Jede Oberfläche besitzt ihre eigene Wirkung, jede Verbindung erzählt von der Sorgfalt ihrer Herstellung. Besonders deutlich wird dieser Gedanke beim Wooden Stool, bei der Sofa- und Lounge-Chair-Kollektion sowie beim massiven Couchtisch, die weniger als einzelne Designobjekte erscheinen als vielmehr als Bestandteile einer größeren Komposition.

Je länger der Aufenthalt dauert, desto stärker verändert sich die Wahrnehmung. Details treten hervor, die im ersten Moment leicht übersehen werden. Ein Schatten wandert über eine Holzfläche. Die Maserung eines Materials reagiert auf das Licht. Ein einzelner Ton bleibt einen Augenblick länger im Raum stehen. Diese Entschleunigung gehört zu den interessantesten Qualitäten der Installation. Während die Designbranche häufig vom Neuen lebt, richtet sich der Blick hier auf Dinge, die Zeit benötigen. Aufmerksamkeit entsteht nicht durch Überraschung, sondern durch Konzentration.

Besonders deutlich zeigt sich dieser Ansatz im Bookshelf Speaker von Designer Keiji Ashizawa. Das Objekt verbindet dänische Akustikkompetenz mit japanischer Holzverarbeitung und bewegt sich souverän zwischen Möbelstück und Lautsprecher. Technik wird weder versteckt noch demonstrativ ausgestellt. Sie wird Teil des Entwurfs. Gerade diese Selbstverständlichkeit verleiht dem Objekt seine Qualität. Der Lautsprecher wirkt nicht wie ein technisches Gerät, das zufällig in einem Regal steckt, sondern wie ein Möbelstück, das Klang als integralen Bestandteil versteht.

Seit mehr als vier Jahrzehnten verfolgt Dynaudio einen Ansatz, der auf Ausgewogenheit statt Effekte setzt. Ziel ist nicht maximale Lautstärke, sondern eine möglichst authentische Wiedergabe von Musik. Interessanterweise verfolgt Karimoku Case eine vergleichbare Idee im Umgang mit Möbeln. Auch hier geht es nicht um Inszenierung, sondern um Beständigkeit. Beide Marken glauben daran, dass Qualität nicht durch Komplexität entsteht, sondern durch die konsequente Konzentration auf das Wesentliche. Diese gemeinsame Denkweise macht die Installation weit spannender als viele klassische Markenkooperationen, bei denen häufig das Produkt im Vordergrund steht. In der Møntergade geht es stattdessen um eine Atmosphäre, die aus vielen sorgfältig aufeinander abgestimmten Komponenten entsteht.

Während draußen die Designwoche ihrem gewohnten Rhythmus folgt und Besucher zwischen Ausstellungen, Empfängen und Produktpräsentationen pendeln, entwickelt sich hinter den Türen des Flagship Stores eine andere Dynamik. Hier bestimmt nicht der nächste Programmpunkt den Takt, sondern die Musik. Mal meditativ und beinahe schwerelos, dann wieder kraftvoll und körperlich spürbar. Klang bewegt sich durch den Raum, verändert Perspektiven und lenkt die Aufmerksamkeit auf Dinge, die sonst leicht übersehen werden. Die kinetischen Skulpturen und maßgefertigten Möbelstücke verstärken diese Wirkung zusätzlich und schaffen eine Umgebung, die sich ständig verändert, ohne jemals unruhig zu wirken.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke von „A Moving Presence“. Die Installation beschäftigt sich weniger mit Produkten als mit Wahrnehmung. Sie zeigt, wie eng Klang, Architektur und Material miteinander verbunden sein können, wenn jedes Element mit derselben Sorgfalt entwickelt wird. In einer Zeit, in der Sichtbarkeit oft wichtiger erscheint als Substanz, wirkt dieser Ansatz erstaunlich zeitgemäß. Nicht weil er laut ist, sondern weil er den Mut besitzt, leise zu bleiben. Weitere Informationen unter Dynaudio und Karimoku Case Fotos © Karl Tranberg Knudsen

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