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Ein britischer Sommer, neu erzählt

Wind, der über Promenaden zieht, das Knarzen von Holzstegen, verblasste Streifen auf Liegestühlen, die schon bessere Sommer gesehen haben. Genau in diesem Zwischenraum zwischen Erinnerung und Gegenwart setzt die zweite Zusammenarbeit von Barbour und Paul Smith an. Für Spring/Summer 2026 greifen zwei der prägendsten Namen britischer Mode die Codes der Küste auf – und übersetzen sie in eine Kollektion, die sich bewusst zwischen Nostalgie und Gegenwart bewegt.

Nach dem Erfolg ihrer ersten Kooperation wirkt diese zweite Begegnung präziser, selbstverständlicher. Beide Marken wissen, wo ihre Schnittmenge liegt: in der Verbindung von Handwerk, Alltagstauglichkeit und einem sehr britischen Verständnis von Stil, das nie zu ernst ist. Neu ist dabei vor allem die Erweiterung um Womenswear. Die Kollektion öffnet sich, wird weicher, durchlässiger, die Silhouetten weniger konstruiert, fast beiläufig. Es geht weniger um klare Statements als um eine Haltung, die sich im Detail zeigt.

Die Küste dient dabei nicht als dekorative Kulisse, sondern als erzählerischer Raum. Fotografien von Paul Smith und seinem Vater ziehen sich wie ein leiser Subtext durch die Kollektion. Schmelzende Eiscreme, windschiefe Deckchairs, flüchtige Momente eines britischen Sommers – Bilder, die nicht inszeniert wirken, sondern fast zufällig entstanden sind. Sie tauchen in Futterstoffen auf, auf T-Shirts, in Details, die man erst beim zweiten Blick entdeckt. Genau darin liegt ihre Wirkung: Sie machen die Kollektion persönlicher, weniger glatt.

Formal bleibt die Handschrift beider Häuser klar erkennbar. Barbours ikonische Jacken – Transport, Spey, Durham – werden neu interpretiert, ohne ihren Ursprung zu verlieren. Gingham-Karos in Blau und Grün, aufgehellte Farbwelten, leichtere Materialien verschieben die klassische Anmutung in Richtung Sommer. Gleichzeitig bringt Paul Smith seine charakteristischen Elemente ein: Streifen, Polka Dots, unerwartete Farbkombinationen. Was auf dem Papier widersprüchlich klingt, funktioniert erstaunlich mühelos. Vielleicht, weil beide Marken ein ähnliches Verständnis von Balance teilen.

Auffällig ist, wie selbstverständlich sich Muster überlagern. Tartans treffen auf grafische Prints, klassische Checks auf spielerische Details. Nichts wirkt überladen, weil die Konstruktion der Stücke bewusst reduziert bleibt. Die Silhouetten geben Raum, die Materialien sprechen für sich. Es entsteht eine Leichtigkeit, die nicht oberflächlich ist, sondern durchdacht.

Auch die Accessoires erzählen diese Geschichte weiter. Taschen orientieren sich an klassischen Angelmodellen, robust, funktional, aber mit einem leichten Twist. Stickereien auf Bucket Hats greifen Motive des Fly-Fishings auf, übersetzt in eine fast grafische Sprache. Footwear integriert archivierte Elemente wie D-Rings, kombiniert mit Signature Stripes und Tartans, die sich subtil in die Designs einfügen. Es sind diese Details, die die Kollektion zusammenhalten, ohne sich aufzudrängen.

Und dann ist da dieses kleine Element, das fast alles zusammenfasst: die „Fortuna Fish“. Eine beiliegende, fast spielerische Zugabe zu jeder Jacke, die je nach Bewegung eine kleine „Prophezeiung“ liefert. Ein Objekt, das man nicht braucht, das aber genau deshalb funktioniert. Es bricht die Ernsthaftigkeit, erinnert daran, dass Mode auch Leichtigkeit haben darf.

Die Kollektion umfasst insgesamt 46 Teile und bewegt sich souverän zwischen Alltag und Statement. Sie funktioniert im urbanen Kontext genauso wie an der Küste, was vielleicht kein Zufall ist. Barbour bringt die Funktion, die Nähe zu Wetter und Landschaft, Paul Smith die Fähigkeit, diese Codes zu verschieben, neu zu lesen. Zusammen entsteht eine Perspektive, die vertraut wirkt und gleichzeitig überraschend frisch.

Interessant ist dabei vor allem, wie mit dem Thema Heritage umgegangen wird. Es wird nicht zitiert, nicht museal inszeniert, sondern weitergedacht. Die Küste ist hier kein romantisches Bild, sondern ein Ort im Wandel – genau wie die Mode selbst. Materialien werden leichter, Schnitte entspannter, Details verspielter, ohne ihre Präzision zu verlieren.

Am Ende bleibt eine Kollektion, die nicht laut ist, aber präsent. Die versucht nicht, Trends zu definieren, sondern bestehende Codes neu zu ordnen. Und die zeigt, dass es manchmal reicht, bekannte Elemente in einen anderen Zusammenhang zu setzen, um etwas wirklich Neues entstehen zu lassen. Weitere Informationen unter Barbour

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