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Der andere Süden

Wer Apulien verstehen will, kommt an seinen Werkstätten nicht vorbei. Genau dort setzt „Trame“ an, das neue Konzept der Masseria Torre Maizza für die Saison 2026. Es geht nicht um klassische Ausflüge oder das Abhaken von Sehenswürdigkeiten, sondern um Zugang – zu Orten, die normalerweise im Verborgenen bleiben, und zu Menschen, deren Wissen nicht inszeniert, sondern gelebt wird. „Trame“, italienisch für Gewebe oder Verbindungen, beschreibt dabei präzise, worum es geht: ein Netzwerk aus Geschichten, Materialien und Techniken, das sich durch die Region zieht und erst sichtbar wird, wenn man sich darauf einlässt. Der Ausgangspunkt liegt bewusst außerhalb der Masseria, in kleinen Werkstätten, Archiven und Ateliers, die Apulien bis heute prägen und deren Arbeit eine andere Form von Luxus definiert – eine, die nicht auf Oberfläche basiert, sondern auf Können, Zeit und Konsequenz. In der Fondazione Le Costantine etwa wird deutlich, wie viel Präzision in etwas liegt, das oft nur als dekoratives Detail wahrgenommen wird. Auf historischen Holzwebstühlen entstehen Stoffe nach Techniken, die über Generationen weitergegeben wurden, ohne je standardisiert zu werden. Muster entwickeln sich hier nicht aus Trends, sondern aus der unmittelbaren Umgebung – aus Pflanzen, Lichtverhältnissen, Jahreszeiten. Der Blick verschiebt sich fast automatisch: weg vom fertigen Produkt, hin zu Prozessen, die Zeit brauchen und genau darin ihren Wert haben.

Ähnlich konzentriert arbeitet Bottega Dalmut in Francavilla Fontana. In einem Palazzo aus dem 19. Jahrhundert entstehen Kleidungsstücke und Schuhe, die nicht als Kollektion gedacht sind, sondern als Einzelstücke. Der Ablauf ist reduziert auf das Wesentliche: Auswahl, Gespräch, Anpassung. Die erste Anprobe findet vor Ort statt, die zweite später zurück in der eigenen Suite der Masseria. Luxus wird hier nicht behauptet, sondern ergibt sich aus der Konsequenz, mit der gearbeitet wird – aus dem Dialog zwischen Material und Träger. Noch stiller wird es im Itria-Tal, wo das Tombolo-Handwerk weitergeführt wird – eine Technik, die einst fester Bestandteil der Aussteuer war und heute nur noch von wenigen beherrscht wird. In einer privaten Werkstatt entsteht unter den Händen eines Meisters Spitze, Faden für Faden, geführt von kleinen Holzklöppeln, deren rhythmische Bewegung den Takt vorgibt. Ein Prozess, der sich nicht beschleunigen lässt und genau deshalb eine andere Form von Aufmerksamkeit verlangt, eine, die sich dem Tempo der Dinge anpasst, statt es zu diktieren. „Trame“ bleibt jedoch nicht beim Textilen stehen, sondern erweitert den Blick um eine zweite Ebene: Licht. In Apulien hat Licht eine eigene kulturelle Bedeutung, sichtbar in den sogenannten Luminarie, jenen aufwendig konstruierten Leuchtinstallationen, die seit Jahrhunderten Feste und Plätze prägen. In spezialisierten Werkstätten wird nachvollziehbar, wie diese Strukturen entstehen: aus Holz, in Handarbeit zusammengesetzt, ornamentiert und schließlich mit Licht gefüllt.

Tradition und Gegenwart greifen hier ineinander, ohne sich gegenseitig zu überlagern. Die Objekte wirken gleichzeitig archaisch und überraschend zeitgenössisch, fast wie begehbare Zeichnungen im Raum. Zurück in der Masseria verändert sich dadurch auch die Wahrnehmung des Ortes selbst. Die Architektur des Hauses – ein Ensemble aus dem 16. Jahrhundert, eingebettet in Olivenhaine, erweitert auf rund fünfzig Zimmer und Suiten – wirkt weniger wie Kulisse und mehr wie Teil dieser Erzählung. Materialien wie Kalk, Terrakotta und Holz greifen die Umgebung auf, ohne sie zu kopieren, sie übersetzen vielmehr das, was draußen passiert, in eine ruhige, präzise Formensprache. Das von Olga Polizzi entwickelte Interieur bleibt bewusst zurückhaltend und schafft damit den Rahmen für das, was außerhalb geschieht. Auch die Übergänge sind fließend: vom Garten in die Zimmer, von den Wegen zwischen den Olivenbäumen zurück in die Innenräume, vom Tag in den Abend, wenn das Licht weicher wird und sich Farben verschieben. „Trame“ funktioniert dabei nicht als festgelegte Route, sondern als offenes System, das sich über den Concierge individuell anpassen lässt. Entscheidend ist nicht die Reihenfolge der Stationen, sondern die Möglichkeit, direkt mit denjenigen in Kontakt zu treten, die dieses Wissen tragen und weitergeben. Apulien zeigt sich so nicht als Kulisse, sondern als Arbeitslandschaft, in der Handwerk, Alltag und Ästhetik eng miteinander verbunden sind. Genau darin liegt die Qualität dieses Ansatzes: weniger Oberfläche, mehr Substanz, weniger Programm, mehr Zugang. Ein Modell, das nicht versucht, die Region neu zu definieren, sondern sie präziser lesbar macht – ruhig, klar und mit einer Konsequenz, die lange nachwirkt.

Die Masseria Torre Maizza liegt im Valle d’Itria, aber eigentlich liegt sie daneben – abseits von dem, was man gemeinhin als Hotel versteht. Ein Anwesen aus dem 16. Jahrhundert, erweitert auf rund fünfzig Zimmer und Suiten, verteilt statt gestapelt, eingebettet statt inszeniert. Olivenbäume, staubige Wege, niedrige Mauern – die Umgebung wird nicht rahmend eingesetzt, sie bestimmt den Rhythmus. Innen setzt Olga Polizzi auf Materialien, die nicht auffallen müssen: Weiß, Terrakotta, gedämpfte Grüntöne. Keine Effekte, keine gestellte Atmosphäre, sondern Räume, die funktionieren, weil sie ruhig bleiben. Auch kulinarisch keine große Geste, sondern Konzentration – Carosello, Violetta, Bougainville. Und dann das Meer, ein paar Minuten entfernt: der Lido Bambù Beach Club, nicht als Erweiterung, sondern als bewusster Perspektivwechsel. Ein zweiter Ort, der das Ganze komplettiert, ohne es zu erklären. Weitere Informationen unter Masseria Torre Maizza

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