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Berlin, Baby

Morgens fällt das Licht durch die geschwungenen Fenster der Jugendstilfassade auf den Steinplatz. Draußen rauscht der Verkehr Richtung Kurfürstendamm, Studierende ziehen über den Campus der Technischen Universität, Geschäftsleute verschwinden in Taxis, Touristen bleiben kurz stehen und fotografieren die außergewöhnliche Architektur. Berlin verändert sich ständig. Kaum ein Ort erzählt davon eindrucksvoller als das Hotel am Steinplatz. Seit mehr als einem Jahrhundert begleitet das Haus die Stadt durch Glanzzeiten, Krisen, kulturelle Aufbrüche und gesellschaftliche Umbrüche. Heute trägt diese Berliner Institution den Namen Roomers Berlin.

Wer hier eincheckt, betritt nicht einfach ein Luxushotel. Hinter der markanten Fassade verbirgt sich ein Stück Stadtgeschichte, das über Generationen hinweg eng mit Berlin verwoben war und bis heute geblieben ist. Während unzählige Gebäude verschwanden, umgebaut oder neu erfunden wurden, hat dieses Haus sämtliche Epochen der Hauptstadt miterlebt. Kaiserreich, Goldene Zwanziger, Nationalsozialismus, Krieg, Wiederaufbau, Teilung und Wiedervereinigung – die Geschichte Berlins spiegelt sich in den Mauern des heutigen Roomers Berlin wider.

Dabei begann alles lange, bevor jemand an Designhotels, internationale Hotelmarken oder Lifestyle-Konzepte dachte. Zwischen 1906 und 1907 entstand das Gebäude nach den Plänen des Architekten August Endell, eines der bedeutendsten Vertreter des deutschen Jugendstils. Seine Handschrift prägt das Haus bis heute. Die verspielte Ornamentik, die ungewöhnlichen Formen und die markante Fassadengestaltung verleihen dem Gebäude eine Präsenz, die selbst in einer Stadt voller architektonischer Ikonen herausragt.

Ursprünglich wurde das Haus als repräsentatives Wohngebäude errichtet. Erst 1913 begann seine Geschichte als Hotel. Schnell entwickelte sich die Adresse zu einem Treffpunkt jener Menschen, die das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Hauptstadt prägten. In den Goldenen Zwanzigern trafen hier Künstler auf Industrielle, Schriftsteller auf Schauspieler und internationale Gäste auf die Berliner Gesellschaft. Russische Adelsfamilien fanden nach der Revolution zeitweise ein Zuhause, Kreative nutzten das Haus als Rückzugsort und Beobachtungsposten zugleich.

Noch heute scheint ein Teil dieser Atmosphäre erhalten geblieben zu sein. Vielleicht liegt es an den hohen Räumen, vielleicht an den historischen Fotografien oder an den Erinnerungen, die sich über Jahrzehnte angesammelt haben. Marlene Dietrich gehörte zu den prominenten Gästen, ebenso Romy Schneider und Zarah Leander. Die legendäre Drehbuchautorin Thea von Harbou soll hier über längere Zeit gearbeitet haben. Viele Anekdoten werden bis heute weitererzählt und machen deutlich, dass dieses Haus stets weit mehr war als eine Adresse zum Übernachten.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten veränderte sich auch das Leben am Steinplatz. Die Familie Zellermayer, die das Hotel über Jahrzehnte geprägt hatte, geriet zunehmend unter Druck. Dennoch blieb das Haus geöffnet. Selbst während des Zweiten Weltkriegs wurde der Betrieb aufrechterhalten. Auf dem Dach wuchsen Tomaten, im Innenhof wurden Ziegen gehalten. Was heute wie eine skurrile Randnotiz wirkt, erzählt von einer Zeit, in der Improvisation und Durchhaltevermögen überlebenswichtig waren.

Nach Kriegsende gehörte das Haus zu den ersten Berliner Hotels, in denen wieder Leben einzog. Während große Teile der Stadt in Trümmern lagen, öffnete zunächst ein Restaurant seine Türen, kurz darauf folgte der Hotelbetrieb. Das Roomers Berlin von heute verdankt seinen Ruf nicht zuletzt dieser außergewöhnlichen Widerstandskraft. Immer wieder gelang es dem Haus, schwierige Zeiten zu überstehen und sich neuen Realitäten anzupassen.

Besonders prägend wurden die Nachkriegsjahre. Das Hotel entwickelte sich erneut zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt. Schauspieler, Journalisten, Musiker und Autoren gingen hier ein und aus. Legendär wurde die „Volle Pulle“, eine Bar, die weit über Berlin hinaus Kultstatus erreichte. Wer damals etwas erleben wollte, landete früher oder später hinter ihrer berühmten Eingangstür. Heinrich Böll war hier ebenso anzutreffen wie Günter Grass, Erich Maria Remarque oder Harald Juhnke. Das Haus wurde zum Treffpunkt einer Stadt, die sich nach Jahren der Entbehrung neu definierte.

Gerade diese Vielschichtigkeit unterscheidet das heutige Roomers Berlin von vielen anderen Luxushotels. Die Geschichte des Hauses besteht nicht aus einzelnen Ereignissen, sondern aus einer Vielzahl unterschiedlicher Kapitel. Das Gebäude war Bühne, Salon, Rückzugsort und gesellschaftlicher Knotenpunkt zugleich. Generationen von Gästen haben ihre Spuren hinterlassen und jede Epoche hat neue Facetten hinzugefügt.

Als sich Berlin in den 1970er-Jahren veränderte, geriet auch das Hotel in schwierigere Zeiten. Der Betrieb wurde eingestellt, später diente das Gebäude als Seniorenheim. Danach stand es viele Jahre leer. Für zahlreiche historische Häuser bedeutete eine solche Entwicklung das Ende. Das Haus am Steinplatz jedoch wartete lediglich auf seine nächste Wiedergeburt.

2013 kehrte das Gebäude als Hotel zurück und knüpfte an seine große Vergangenheit an. Die aufwendige Restaurierung bewahrte zahlreiche historische Details und verband sie mit zeitgemäßem Komfort. Seither gehört das Haus wieder zu den spannendsten Adressen der Hauptstadt. Die historische Substanz blieb erhalten, gleichzeitig entstand ein Ort, der den Charakter Berlins auf moderne Weise interpretiert.

Wer heute durch das Roomers Berlin geht, begegnet der Vergangenheit des Hauses auf Schritt und Tritt. Historische Fotografien erinnern an frühere Jahrzehnte, während sich zeitgenössisches Design selbstverständlich in die Architektur einfügt. Die Zimmer greifen den Geist der 1920er-Jahre auf und verbinden ihn mit modernem Komfort. Leder, warme Materialien und sorgfältig ausgewählte Details schaffen eine Atmosphäre, die eher an eine elegante Berliner Privatresidenz als an ein klassisches Stadthotel erinnert. Besonders bemerkenswert ist die Ruhe, die das Haus trotz seiner zentralen Lage ausstrahlt. Nur wenige Schritte vom Kurfürstendamm entfernt entsteht ein Rückzugsort, der Abstand zum Tempo der Metropole schafft. Über den Dächern Charlottenburgs bietet der Spa-Bereich einen weiten Blick auf die Stadt. Gleichzeitig bleibt das Hotel eng mit dem Berliner Leben verbunden. Kreative, Unternehmer, Kulturschaffende und internationale Gäste prägen die Atmosphäre ebenso wie die Architektur selbst. Genau daraus entsteht jener Charakter, der das Roomers Berlin heute auszeichnet: ein Haus, das seine Vergangenheit bewahrt und gleichzeitig fest in der Gegenwart verankert ist.

Heute schreibt das Roomers Berlin diese Geschichte weiter. Die Verbindung zur Vergangenheit bleibt sichtbar, gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn. Eine zentrale Rolle spielt dabei die neue Gastronomie. Mit Manon hat das Haus eine Brasserie erhalten, die französische Eleganz mit Berliner Lässigkeit verbindet. Das Konzept stammt von The Duc Ngo, einem der einflussreichsten Gastronomen Deutschlands. Zwischen langen Lunches, Dinnern bei Kerzenschein, Cocktails an der Bar und DJ-Sets am Abend knüpft das Restaurant an eine Tradition an, die das Haus schon immer ausgezeichnet hat: Menschen an einem Tisch zusammenzubringen.

In einer Stadt, die sich permanent verändert, sind Orte wie das Roomers Berlin selten geworden. Viele historische Hotels existieren nur noch auf alten Fotografien oder in Erinnerungen. Dieses Haus hingegen lebt weiter. Die Jugendstilfassade steht noch immer am Steinplatz. Die Spuren der Vergangenheit sind geblieben. Und vielleicht liegt genau darin seine größte Stärke. Das Roomers Berlin blickt nicht nur auf mehr als ein Jahrhundert Geschichte zurück. Es ist selbst Teil der Geschichte dieser Stadt – und schreibt sie jeden Tag weiter. Weitere Informationen unter ROOMERS BERLIN Fotos © Roomers Berlin ©

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