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Der Sommer hat noch etwas vor

Pistazie hat eine erstaunliche Karriere hingelegt. Lange führte sie ein eher unauffälliges Dasein zwischen Eisdiele, Baklava und jener Schale Nüsse, die vor dem Abendessen auf dem Tisch steht. Dann kam das Internet. Plötzlich wurde Pistaziengrün zur Trendfarbe, Cremes aus Sizilien zum begehrten Mitbringsel und die Dubai-Schokolade zum globalen Kalorienereignis. Dass Pistazie nun auch einen Sommer auf Formentera prägt, ist deshalb fast folgerichtig. Nur wird sie dort weder gegessen noch fotografiert, sondern gerochen. Noch bis Ende August 2026 verwandelt LOEWE Perfumes das Dunas de Formentera am Migjorn Beach in eine temporäre Duftlandschaft. Ausgangspunkt ist die neue LOEWE Pistachio Duftkerze. Was zunächst nach klassischer Kooperation zwischen Luxusmarke und Luxushotel klingt, wird vor Ort erfreulich diskret behandelt. Keine überdimensionierten Logos am Pool, keine Fotowand zwischen Liegen und Restaurant, kein Markenparcours mit Pflichtprogramm. Stattdessen taucht der Duft an verschiedenen Stellen des Resorts auf und trifft dort auf reichlich natürliche Konkurrenz: Pinien, trockene Erde, warme Luft, Salz und Meer. Duft wird normalerweise unter möglichst kontrollierten Bedingungen verkauft. Parfümerien versuchen alles auszuschalten, was die Nase ablenken könnte. Auf Formentera passiert das Gegenteil. Die Pistazie muss sich gegen eine ganze Insel behaupten.

Dunas de Formentera liegt direkt am Migjorn Beach im Süden der Insel. Wer hier monumentale Hotelarchitektur erwartet, sucht sie vergeblich. Das 2024 eröffnete Resort verteilt seine 45 Zimmer und Suiten auf freistehende Gebäude zwischen Sand und einheimischer Vegetation; einige Unterkünfte bieten bis zu 60 Quadratmeter Wohnfläche. Zwischen den Häusern führen Wege durch die Dünenlandschaft, statt eines zentralen Hotelblocks entsteht eher der Eindruck einer kleinen Ansammlung mediterraner Häuser. Die Architektur versucht nicht, den Ort mit einem großen Statement zu übertrumpfen. Das mag selbstverständlich klingen, ist es in Ferienregionen aber keineswegs. Küsten sind voll von Gebäuden, die offenbar beweisen möchten, dass Beton durchaus lauter sein kann als das Meer. Formentera bietet für leisere Töne ziemlich gute Voraussetzungen. Die Insel hat sich trotz wachsender Beliebtheit einen Ruf als Gegenentwurf zur permanenten Reizproduktion Ibizas bewahrt: keine große Clubmaschinerie, weniger Spektakel, weniger Fläche und ein bemerkenswertes Talent dafür, selbst gut angezogene Menschen nach einigen Tagen dazu zu bringen, Schuhe für eine überflüssige Erfindung zu halten. Seit seiner Eröffnung hat Dunas de Formentera schnell internationale Aufmerksamkeit erhalten und wurde unter anderem in die Condé Nast Traveler Hot List 2025 sowie die Travel + Leisure It List 2025 aufgenommen. Hinter dem Resort steht Marugal, die 2004 von Pablo Carrington gegründete Hotelgesellschaft, deren Portfolio inzwischen sechzehn unabhängige Häuser umfasst.

Dass ausgerechnet LOEWE Perfumes hier für einen Sommer einzieht, erzählt noch eine zweite Geschichte. Luxusmarken haben ihren Aktionsradius in den vergangenen Jahren erheblich vergrößert. Ein Kleid, eine Tasche oder ein Parfum scheint kaum noch auszureichen, wenn sich daraus auch ein Tisch, ein Sessel, eine Tasse, ein Restaurant, ein Beach Club oder gleich eine komplette Lebenswelt entwickeln lässt. Mode möchte längst nicht mehr nur bestimmen, was getragen wird, sondern zunehmend auch, worauf gesessen, woraus getrunken und wie gewohnt, gegessen oder gereist wird. LOEWE passt besonders gut in diese Entwicklung. Das spanische Haus beschäftigt sich neben Mode und Lederwaren seit Langem mit Handwerk, Kunst, Design und Objekten für den Wohnraum. Duft erweitert dieses Terrain noch einmal, weil er einen Raum verändern kann, ohne ihn neu einzurichten. Im Dunas wird daraus keine zweite Kulisse innerhalb des Hotels. Die Installation rund um die LOEWE Pistachio Duftkerze wurde auf Architektur und Umgebung abgestimmt und verteilt sich auf unterschiedliche Bereiche des Resorts. Bemerkenswert ist dabei auch, wie konsequent analog das Ganze bleibt. Eine Tasche, ein Hotelzimmer oder ein spektakulär angerichteter Teller kann innerhalb von Sekunden auf Millionen Bildschirmen auftauchen. Geruch verweigert sich diesem Prinzip bis heute ziemlich erfolgreich. Wer wissen möchte, wie Pistazie zwischen Dünen und Mittelmeer riecht, muss tatsächlich hinfahren.

Vielleicht erklärt genau das auch die gegenwärtige Faszination für Raumdüfte und Duftkerzen. Räume sollen längst nicht mehr ausschließlich gut aussehen, sondern eine eigene Atmosphäre entwickeln, und Hotels wissen sehr genau, wie stark Gerüche Erinnerungen prägen können. Ein bestimmtes Aroma kann Jahre später einen Ort zurückholen, bevor überhaupt klar ist, warum plötzlich ein Strand, ein Zimmer oder ein Abendessen wieder im Kopf auftaucht. Pistazie ist dafür ein kluger Kandidat. Sie besitzt kulinarische Assoziationen, ohne auf eine einzige festgelegt zu sein, wirkt vertraut und zugleich ungewöhnlich genug, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Zudem gehören Pistazienbäume botanisch in warme, trockene Regionen; ganz so exotisch, wie der aktuelle Pistazienhype vermuten lässt, ist die Verbindung mit einer mediterranen Landschaft also nicht. Trotzdem wäre es aussichtslos, den Schauplatz olfaktorisch übertrumpfen zu wollen. Das Meer hat die bessere Farbe, die Dünen benötigen keinen Creative Director und ein Pinienwald verfügt über eine Duftabteilung, die seit einigen Jahrtausenden recht zuverlässig funktioniert. Auch kulinarisch bleibt das Dunas beim Mittelmeer. Das Restaurant konzentriert sich auf lokale Produkte, saisonale Aromen und fangfrischen Fisch. Beratend begleitet wird die Küche von Gorka Txapartegi, dessen Restaurant Alameda im baskischen Hondarribia mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet ist. Gegessen wird mit Blick auf den Migjorn Beach – eine Situation, in der gastronomische Kompliziertheit ohnehin schnell überflüssig wirkt.

Ende August ist Schluss. Das ist möglicherweise der sympathischste Aspekt dieser sommerlichen Liaison. Denn während Luxusmarken gerade versuchen, immer größere Teile des Alltags dauerhaft zu besetzen, darf diese Begegnung wieder verschwinden. Kein neues Gebäude muss anschließend sinnvoll genutzt, kein eigens geschaffenes Restaurant weitergeführt und keine Installation zum permanenten Bestandteil des Hotels erklärt werden. LOEWE Pistachio zieht aus, die Dünen bleiben liegen, wo sie waren, und das Mittelmeer übernimmt wieder allein die Regie. Zurück bleibt im besten Fall etwas, das sich weder einpacken noch auf Instagram besonders überzeugend abbilden lässt: die Erinnerung an einen Geruch. Sollte irgendwann später beim Anzünden einer Kerze plötzlich Formentera im Kopf auftauchen, hat die Sache funktioniert. Ein ziemlich elegantes Souvenir übrigens. Und eines, für das niemand zusätzliches Handgepäck buchen muss. Weitere Informationen unter Dunas de Formentera Alle Fotos © Irving Studio

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