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Nachts in Venedig

Es gibt kaum eine Stadt, die Fantasie und Wirklichkeit so mühelos miteinander verschmelzen lässt wie Venedig. Tagsüber spiegeln sich Palazzi im Wasser der Kanäle, Gondeln gleiten beinahe lautlos durch die engen Wasserstraßen und Touristen folgen den bekannten Wegen. Doch sobald die Sonne untergeht, verändert sich die Lagunenstadt. Schatten werden länger, Gassen wirken geheimnisvoller und hinter historischen Fassaden scheint plötzlich alles möglich. Seit Jahrhunderten ranken sich Geschichten um rauschende Maskenbälle, dekadente Feste und jene geheimnisvolle Sinnlichkeit, die Venedig bis heute umweht. Genau diese Atmosphäre bildet den Ausgangspunkt für David Komas Pre-Fall-Kollektion 2026 für Blumarine.

Seit seinem Wechsel an die kreative Spitze des italienischen Modehauses entwickelt Koma die DNA von Blumarine konsequent weiter. Romantik bleibt das Herz der Marke, doch sie erscheint heute dunkler, selbstbewusster und architektonischer. Weiblichkeit wird nicht mehr ausschließlich über Zartheit erzählt, sondern über Gegensätze. Stärke trifft auf Verletzlichkeit, Opulenz auf Präzision, historische Referenzen auf eine zeitgenössische Silhouette. Mit der neuen Kollektion erreicht diese Entwicklung ihren Höhepunkt. Als Inspirationsquelle dient das nächtliche Venedig – nicht als romantische Postkartenkulisse, sondern als Bühne für Verführung, Exzentrik und kulturelle Erinnerung. Gleichzeitig schlägt Koma eine Brücke zur Geschichte des Hauses. Bereits Helmut Newton arbeitete mit Blumarine und prägte den sinnlichen Blick auf die Marke. Ebenso unvergessen bleibt die Herbst/Winter-Kampagne von 1992, die Albert Watson ebenfalls in Venedig fotografierte. Koma greift diese Bildwelten auf, interpretiert sie jedoch neu und erzählt daraus eine zeitgemäße Geschichte weiblicher Eleganz.

Das Ergebnis ist eine Kollektion, die sich anfühlt wie ein nächtlicher Spaziergang durch venezianische Palazzi. Jede Silhouette scheint Teil einer filmischen Inszenierung zu sein, irgendwo zwischen historischem Kostümball und modernem Boudoir. Die Farben greifen die opulente Welt venezianischer Gewänder auf. Tiefes Rot, sanftes Lavendel, pudriges Hellblau und klassisches Schwarz bestimmen das Bild und verleihen der Kollektion eine dramatische, zugleich außergewöhnlich elegante Wirkung. Besonders eindrucksvoll gelingt David Koma der Umgang mit Volumen. Georgette-Kleider werden mithilfe von Crinolinen zu skulpturalen Formen modelliert und wirken fast wie tragbare Architektur. Korsagen zitieren historische Ballroben, ohne nostalgisch zu erscheinen. Transparente Stoffe treffen auf klare Linien, während Rosen- und Dornenmotive die romantische Handschrift von Blumarine mit der Symbolik Venedigs verbinden. Metallische Details in Form geflügelter Löwen, venezianischer Masken und Rosen setzen feine Akzente und verweben die Geschichte der Stadt mit der Identität des Hauses.

Überhaupt spielt die Rose eine zentrale Rolle. Sie erscheint als Druck, feine Stickerei oder dreidimensionale Applikation und zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Kollektion. Mal zart und beinahe poetisch, mal dramatisch inszeniert, entwickelt sie sich zum Symbol einer Weiblichkeit, die Schönheit und Stärke gleichermaßen verkörpert. Romantik erhält bei Koma jedoch stets eine dunklere Note. Fließende Slip Dresses treffen auf Chantilly-Spitze, transparente Einsätze und sinnlich drapierte Jersey-Kleider. Kapuzen, Trompetenärmel und Marabou-Besätze verleihen einzelnen Looks eine fast theatrale Präsenz. Leopardenmuster erscheinen unter zarter Spitze, Kristallstickereien sorgen für schimmernde Lichtreflexe und erinnern an die funkelnden Kronleuchter venezianischer Palazzi. Zwischen Ballsaal und Boudoir entwickelt die Kollektion eine faszinierende Spannung. Taffeta Kleider mit Halterneck, großzügige Röcke und aufwendig gearbeitete Blusen zitieren die Kleiderordnung barocker Maskenfeste, während Spitze, Duchesse-Seide und feine Drapierungen eine intime Sinnlichkeit erzeugen. Nichts wirkt plakativ. Vielmehr entsteht jene raffinierte Balance zwischen Eleganz und Erotik, die Blumarine seit Jahrzehnten prägt.

Dem gegenüber steht eine überraschend präzise Schneiderkunst. Taillierte Blazer greifen die Sanduhrsilhouetten der Kleider auf, während Cocoon-Ärmel klassische Proportionen bewusst verändern. Cargohosen, weit geschnittene Tailoring-Hosen und schmale Modelle, die bis über die Ferse reichen, bringen moderne Strenge in die verspielte Welt der Kollektion. Selbst voluminöse Baumwollhemden mit plissierten Schleifendetails erinnern an das Venedig des 18. Jahrhunderts und wirken gleichzeitig erstaunlich zeitgemäß. Auch Mäntel und Capes erzählen von dieser Dualität. Harlekin-Muster verweisen auf die Commedia dell’Arte, Schurwolle trifft auf Shearling und klassische Militärreferenzen werden mit femininen Silhouetten kombiniert. Historische Zitate dienen dabei nie als Kostüm, sondern werden selbstverständlich in eine moderne Garderobe übersetzt.

Besonders spannend zeigt sich die Handschrift David Komas im Umgang mit Strick. Jacquard-Rosen, Rüschen, Fransen und abnehmbare Ärmel verleihen Cardigans und Pullovern eine ungewöhnliche Leichtigkeit. Llama-, Alpaka- und Wollgarne erzeugen plastische Oberflächen, während geflochtene Strukturen und gestrickte Rosenblätter den Eindruck handwerklicher Couture entstehen lassen. Selbst schlichte T-Shirts greifen mit kleinen Löwenmotiven das Wahrzeichen Venedigs auf und schaffen eine subtile Verbindung zur Inspirationsquelle. Denim erhält ebenfalls eine überraschend luxuriöse Interpretation. Schwarze Modelle wirken durch metallische Oberflächen beinahe wie lackiertes Leder, hellblaue Jeans werden mit aufwendig gestickten Rosenausschnitten veredelt, während Spitzendrucke raffinierte Trompe-l’œil-Effekte erzeugen. Plissierte Spitzeneinsätze verlängern Miniröcke und Hosen zu fließenden Silhouetten und zeigen eindrucksvoll, wie spielerisch Koma klassische Materialien neu interpretiert.

Abgerundet wird die Kollektion durch Accessoires, die den venezianischen Gedanken konsequent weiterführen. Extrem hohe Stilettos aus Lackleder und Satin betonen die sinnliche Spannung der Looks, während Schmuck mit geflügelten Löwen, Brücken, Kreuzen und Masken die Symbolwelt der Lagunenstadt aufgreift. Schmetterlingsmasken und markante Sonnenbrillen erinnern an den berühmten Karneval und verleihen der Kollektion jene geheimnisvolle Aura, die Venedig seit Jahrhunderten umgibt. Bemerkenswert ist dabei vor allem, wie selbstverständlich David Koma Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet. Historische Referenzen werden nicht kopiert, sondern neu interpretiert. Romantik erscheint nicht nostalgisch, sondern kraftvoll und modern. Gerade darin liegt die Stärke dieser Kollektion. Sie erzählt nicht nur von einer Stadt, sondern von einer Stimmung – von jener geheimnisvollen Stunde zwischen Sonnenuntergang und Morgengrauen, in der Venedig seine faszinierendsten Geschichten schreibt.

Mit der Pre-Fall-Kollektion 2026 beweist David Koma eindrucksvoll, dass Blumarine seine romantische Identität bewahrt und gleichzeitig selbstbewusst in die Zukunft führt. Zwischen Masken, Rosen und venezianischer Opulenz entsteht eine Garderobe, die historische Eleganz mit zeitgenössischer Sinnlichkeit verbindet – geheimnisvoll, selbstbewusst und unwiderstehlich modern. Weitere Informationen unter Blumarine

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