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Eine neue Art, Form zu sehen

Manchmal beginnt Innovation nicht mit einer neuen Form, sondern mit einer anderen Art, Oberfläche zu denken. Mit dem Modell „UROKO“ verschiebt ISSEY MIYAKE EYES genau diesen Fokus – weg von der klassischen Silhouette, hin zu Struktur, Rhythmus und Tiefe. Entwickelt im Kontext der IM MEN Spring/Summer 2026 Kollektion „DANCING TEXTURE“, wird die Brille selbst zum Ausdruck eines gestalterischen Gedankens, der Bewegung nicht zeigt, sondern in Material übersetzt.

Der Ausgangspunkt liegt überraschend weit entfernt von der klassischen Eyewear-Welt. Inspiriert ist UROKO von den keramischen Arbeiten von Shoji Kamoda, dessen charakteristische, schuppenartige Oberflächenstrukturen eine fast organische Dynamik besitzen. Diese Muster wirken nie statisch, sondern verändern sich je nach Blickwinkel, Licht und Abstand. Genau diese Qualität – ein permanentes Spiel zwischen Ordnung und Variation – wird bei UROKO aufgenommen und in ein technisches Objekt übertragen.

Was zunächst wie ein grafisches Detail erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als komplexes Konstruktionsprinzip. Insgesamt acht Linsen, vier auf jeder Seite, sind in einer präzisen Sequenz angeordnet. Sie greifen das Motiv der keramischen Vorlagen auf, ohne es einfach zu reproduzieren. Stattdessen entsteht eine Art visuelles Echo, eine Übersetzung von Materialität in Funktion. Jede einzelne Linse ist konkav geschnitten, speziell entwickelt, um sich in die kompakte Rahmenstruktur einzufügen. Das Ergebnis ist kein durchgehendes Sichtfeld im klassischen Sinn, sondern eine fragmentierte Wahrnehmung, die sich beim Tragen kontinuierlich verändert.

Gerade diese Fragmentierung macht den Reiz aus. UROKO funktioniert nicht als unsichtbares Accessoire, sondern als bewusst gesetztes Objekt. Die Brille lenkt den Blick – nach außen und nach innen. Sie fordert eine andere Art des Sehens, ein Zusammenspiel von Perspektiven, das sich mit jeder Bewegung neu justiert. In einer Zeit, in der Design oft auf maximale Klarheit reduziert wird, wirkt dieser Ansatz fast radikal.

Technologisch basiert das Modell auf fortschrittlicher 3D-Druck-Technologie, die es ermöglicht, diese komplexe Struktur überhaupt erst umzusetzen. Doch entscheidend ist nicht die Technologie allein, sondern ihre Verbindung mit japanischer Handwerkskunst. Präzision entsteht hier nicht nur durch Maschinen, sondern durch ein Verständnis für Material, Oberfläche und Detail, das tief in der Tradition verankert ist. Jede Kante, jede Rundung, jede Verbindung folgt einer Logik, die sich erst im Zusammenspiel erschließt.

Auch die Oberflächenbehandlung des Rahmens trägt maßgeblich zur Wirkung bei. Statt einer homogenen, glatten Oberfläche wird ein spezielles Finish eingesetzt, das die Struktur betont. Licht bricht sich unterschiedlich, Schatten entstehen, verschwinden wieder, Tiefe wird sichtbar. Keine Brille gleicht exakt der anderen, weil minimale Variationen bewusst zugelassen werden. Diese kleinen Abweichungen sind kein Makel, sondern Teil des Konzepts – ein Hinweis darauf, dass Perfektion hier nicht als Gleichförmigkeit verstanden wird.

Interessant ist dabei, wie sehr sich UROKO in den größeren Kontext von ISSEY MIYAKE einfügt. Seit jeher geht es bei der Marke darum, Material neu zu denken, Bewegung in Stoff, Struktur und Form zu übersetzen. Was in der Mode über Falten, Textilien und Konstruktionen passiert, wird hier auf ein Accessoire übertragen. Die Brille wird zum eigenständigen Experimentierfeld, in dem sich diese Ideen verdichten.

Gleichzeitig bleibt UROKO tragbar, wenn auch auf eine andere Art, als man es erwartet. Sie richtet sich nicht an eine breite Masse, sondern an jene, die Design als Ausdruck verstehen. Als Objekt, das nicht nur ergänzt, sondern definiert. Die Balance zwischen Funktion und Konzept bleibt dabei spürbar – auch wenn sie bewusst herausgefordert wird.

Am Ende steht ein Modell, das sich nicht sofort erschließt. UROKO verlangt Zeit, Aufmerksamkeit, einen zweiten Blick. Genau darin liegt seine Stärke. Es ist weniger Produkt als Studie, weniger Accessoire als Haltung. Eine Brille, die zeigt, dass die Oberfläche mehr sein kann als Dekoration – nämlich ein Raum, in dem sich Idee, Technik und Handwerk begegnen. Weitere Informationen unter Issey Miyake

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