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25 Millionen für ein Stück Kalifornien

Charlie Chaplin spielte hier Tennis, Benedikt Taschen ließ ein Architekturjuwel der Fünfzigerjahre restaurieren. Jetzt steht die Adelman Residence in Beverly Hills zum Verkauf. Für 25 Millionen Dollar gibt es nicht nur ein Haus, sondern ein ziemlich außergewöhnliches Stück Hollywood-geschichte. In Beverly Hills lässt sich für viel Geld fast alles kaufen. Marmorbäder in Hotelgröße, Garagen für ganze Sportwagensammlungen, Pools mit Blick über Los Angeles. Schwieriger wird es mit einer Vergangenheit, in der Charlie Chaplin, zwei eigenwillige Architekten und ein deutscher Verleger vorkommen. An der Summit Drive steht ein Haus, das all diese Geschichten miteinander verbindet. Und seit Kurzem einen neuen Besitzer sucht.

Die Adelman Residence wurde 1956 von Thornton Abell und O’Neil Ford entworfen. 2018 kauften Benedikt Taschen und seine Frau Lauren das sanierungsbedürftige Anwesen von der Tochter der ursprünglichen Eigentümer. Statt es nach den aktuellen Vorstellungen kalifornischen Luxuswohnens umzubauen, ließen sie die Architektur behutsam restaurieren. Nun steht es für 25 Millionen US-Dollar zum Verkauf. Ein stolzer Preis, gewiss. Aber hier wird auch nicht einfach eine schöne Adresse angeboten
Das Grundstück gehörte einst zum Anwesen von Charlie Chaplin. Sein Tennisplatz aus dem Jahr 1928 ist noch vorhanden und wurde ebenfalls restauriert. Später ließen der unabhängige Kinobetreiber Isadore B. Adelman und seine Frau Lucy, eine Künstlerin, hier ihr Wohnhaus errichten. Sie entschieden sich für eine Architektur, die auf alles verzichtete, was in der Nachbarschaft gern Eindruck machte: monumentale Auffahrten, pompöse Hallen, dekorativen Überfluss. Stattdessen entstand ein offenes, von Tageslicht bestimmtes Zuhause, das sich dem Gelände anpasst.


Abell und Ford setzten auf eine sogenannte Post-and-Beam-Konstruktion mit sichtbaren Stützen und Trägern. Flache Dachlinien, raumhohe Verglasungen und Terrassen geben dem Gebäude seine Leichtigkeit. Das Haus will nicht größer erscheinen, als es ist. Dabei bietet es auf rund 465 Quadratmetern vier Schlafzimmer, fünf Badezimmer, großzügige Wohn- und Essbereiche und einen Gästetrakt mit eigenem Eingang. Es ist komfortabel, aber erfreulich weit davon entfernt, ein Hotel spielen zu wollen.
Dass ausgerechnet Taschen Gefallen an diesem Ort fand, überrascht wenig. Der Gründer des gleichnamigen Kunstbuchverlags hat eine Schwäche für Häuser, deren Architekten etwas riskiert haben. Ihm gehört auch die Chemosphere in den Hollywood Hills, John Lautners futuristisches Wohnhaus von 1960, das auf einer einzigen Stütze über dem Abhang zu schweben scheint. Direkt gegenüber der Adelman Residence besitzt er zudem die von Roland Coate entworfene Villa des Filmproduzenten David O. Selznick, der mit Vom Winde verweht Kinogeschichte schrieb. Auf der einen Straßenseite Hollywoods repräsentative Dreißigerjahre, auf der anderen die unangestrengte Moderne der Fünfziger. Eine Nachbarschaft wie aus einem Architekturband – nur ohne Buchdeckel.


Als die Taschens die Adelman Residence übernahmen, waren viele ihrer Qualitäten unter den Spuren der Zeit verschwunden. Die Restaurierung brachte Korkböden, Holzeinbauten, weiß gestrichenes Ziegelmauerwerk und japanisch inspirierte Shoji-Schiebetüren wieder zur Geltung. Selbst ein kleiner holzverkleideter Aufzug blieb erhalten. Besonders reizvoll ist, wie wenig sich diese Details in den Vordergrund drängen. Eine Schiebetür verändert die Raumaufteilung, ein hoch sitzendes Fenster holt Licht hinein, eine niedrige Brüstung lenkt den Blick ins Grüne. Alles hat einen Zweck, und gerade deshalb sieht es so gut aus.
Im Wohnzimmer zieht sich ein langer Kamin aus weißem Backstein durch den Raum. Daneben öffnen große Glasflächen den Blick auf eine Terrasse, auf der man sich mühelos einen Abend mit Freunden vorstellen kann, der erst weit nach Mitternacht endet. Die Küche bewahrt mit eingebautem Grill und Durchreichen ein Stück Alltagsgeschichte der Fünfzigerjahre. Keine übertriebene Inszenierung von Vintage, sondern die Erinnerung daran, dass hier tatsächlich gekocht, gegessen und gelebt wurde. Auch die Hauptsuite mit Balkon und begehbarem Kleiderschrank ist eher privat als theatralisch.


Draußen staffelt sich das knapp 3.700 Quadratmeter große Gelände über mehrere Ebenen. Agaven und Palmen wachsen zwischen Terrassen und Gartenwegen, der Swimmingpool liegt auf einem sonnigen Plateau. Und dann ist da dieser Tennisplatz. Dass er einmal zu Chaplins Besitz gehörte, macht ihn zur charmantesten Nebensache des gesamten Anwesens. Man muss sich nicht einmal für Tennis interessieren, um die Vorstellung zu mögen, an einem Ort aufzuschlagen, an dem das alte Hollywood seine Nachmittage verbrachte. Die Räume sind zugleich ein ausgesprochen guter Platz für Kunst. Bilder, Möbel und persönliche Fundstücke müssen sich hier nicht gegenseitig übertrumpfen. Sie dürfen unterschiedlich sein, manchmal auch ein wenig exzentrisch. Das passt zu Taschen, der Kunst, Fotografie und Popkultur mit seinen oft opulenten Bildbänden einem breiten Publikum näherbrachte. Was er veröffentlicht, folgt selten nur dem guten Geschmack. Es geht auch um Neugier, Humor und die Lust auf ungewöhnliche Perspektiven. Ein Haus mit dieser Biografie scheint dafür die passende Bühne zu sein.


Der Verkauf erzählt allerdings noch von etwas anderem: dem Glück eines Gebäudes, das nicht abgerissen wurde. Gerade in Beverly Hills verschwanden zahlreiche Häuser der Nachkriegsmoderne, weil ihre Grundstücke für immer größere Neubauten begehrt waren. Die Adelman Residence blieb über Jahrzehnte in der Familie ihrer Auftraggeber und fand danach Eigentümer, die ihre Eigenheiten nicht als Hindernis betrachteten. Ihre Restaurierung macht deutlich, wie viel architektonischer Reichtum verloren geht, wenn eine gute Adresse vor allem als Baufläche gesehen wird.


Angeboten wird die Immobilie von Drew Fenton und Linda May bei Carolwood Estates. Taschen sagte der New York Times, es habe ihm und Lauren große Freude bereitet, dem Haus seinen früheren Glanz zurückzugeben und es für kommende Generationen zu bewahren. Sie wünschen sich jemanden, der seine Geschichte schätzt. Für den nächsten Besitzer dürfte die größte Versuchung ohnehin sein, an einem sonnigen Morgen die Glasschiebetüren zu öffnen, den Kaffee nach draußen zu tragen und erst einmal überhaupt nichts zu verändern.

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