Manchmal beginnt ein Produkt mit einer ziemlich einfachen Frage: Was lässt sich aus einer Pflanze noch herausholen, wenn man sie nicht nur auf ihre bekannteste Eigenschaft reduziert? Bei der Olive denkt fast jeder zuerst an Öl. Die Fattoria La Vialla richtet den Blick auf einen anderen Bestandteil: das Vegetationswasser der Olive. Zusammen mit ganzen Orangen wird daraus OliPhenolia C, ein flüssiges Nahrungsergänzungsmittel, das in kleinen 50-Milliliter-Gläschen abgefüllt wird. Klingt zunächst nach Wellness-Shot. Interessanter wird die Sache dort, wo Landwirtschaft, Verarbeitung und die fast schon obsessive Rückverfolgbarkeit eines Rohstoffs zusammentreffen. La Vialla produziert in der Toskana nach biologisch-dynamischen Prinzipien und ist Demeter-zertifiziert. Das ist für die Geschichte wichtiger als das hübsche kleine Glas, denn das Produkt lebt von genau dieser Herkunft. Nach Angaben des Unternehmens werden Vegetationswasser aus Demeter-Oliven und ganze Orangen verarbeitet. Die Orangen liefern Vitamin C und Limonen, das Olivenextrakt natürliche Polyphenole, darunter Hydroxytyrosol. La Vialla spricht von einer Konzentration an Oliven-Polyphenolen, die bis zu zwanzigmal höher sein könne als in einem guten nativen Olivenöl extra.




Damit landet OliPhenolia C mitten in einer Produktkategorie, die in den vergangenen Jahren erstaunlich groß geworden ist: kleine Flaschen, große Versprechen. Shots für Schlaf, Energie, Darm, Haut oder Immunsystem stehen inzwischen dort, wo früher allenfalls Orangensaft und Multivitamintabletten konkurrierten. Umso interessanter ist ein Produkt, das nicht mit einer futuristischen Laborästhetik auftritt, sondern seine Geschichte ausdrücklich aus Landwirtschaft und Herkunft entwickelt. Die Fattoria empfiehlt OliPhenolia C als acht Tage dauernde Kur. Morgens und abends soll jeweils ein 50-Milliliter-Gläschen außerhalb der Mahlzeiten eingenommen werden; wegen der dickflüssigen Konsistenz wird sogar ein Teelöffel empfohlen. Das klingt weniger nach beiläufigem Vitaminwasser als nach einem kleinen Ritual. Drei- bis viermal im Jahr soll dieser Zyklus nach Empfehlung des Herstellers wiederholt werden. Man kann solche Routinen mögen oder nicht – bemerkenswert ist, wie stark Ernährung inzwischen wieder über feste Abläufe erzählt wird. Nicht einfach trinken, sondern bewusst dosieren, wiederholen, pausieren.



Bei den gesundheitlichen Aussagen lohnt sich allerdings die nüchterne Lesart. La Vialla verweist unter anderem auf Vitamin C und dessen ernährungsphysiologische Funktionen, etwa für das Immunsystem, den Energiestoffwechsel und die Kollagenbildung. Daraus wird kein Zaubertrank und sollte auch keiner gemacht werden. Nahrungsergänzung bleibt Nahrungsergänzung. Spannender als vollmundige Wirkungsversprechen ist ohnehin die Frage, wie der Rohstoff behandelt wird und woher er kommt. Genau dort hat die Fattoria ihre stärkste Geschichte. Ein Großteil der verwendeten Inhaltsstoffe stammt nach Unternehmensangaben vom eigenen biodynamisch bewirtschafteten Hof in der Toskana. Damit lässt sich die Produktion vom Anbau bis zum fertigen Produkt vergleichsweise eng kontrollieren. La Vialla beschreibt dieses Prinzip bei seiner Kosmetik als „Farm-to-Face“; auf OliPhenolia C übertragen könnte man schlicht von Farm-to-Glass sprechen. Der Begriff mag etwas gefällig klingen, die Idee dahinter ist trotzdem relevant: kurze Wege, nachvollziehbare Herkunft und möglichst wenig Anonymität in der Lieferkette.




Auffällig ist zudem, dass La Vialla Nahrungsergänzung und Pflege nicht als zwei völlig getrennte Welten behandelt werden. In der Presseunterlage steht OliPhenolia C neben einer Demeter-zertifizierten Kosmetiklinie, deren Rohstoffe ebenfalls weitgehend vom eigenen Hof stammen. Das erzählt Schönheit nicht nur über Cremes und Seren, sondern über Landwirtschaft, Ernährung und Verarbeitung zugleich. Man muss diese Verbindung nicht unkritisch übernehmen, um sie interessant zu finden: Sie verschiebt den Blick weg vom einzelnen Trendwirkstoff hin zu der Frage, wie konsequent ein Produkt von seinem Ursprung her gedacht ist. Auch das Thema Reststoffe spielt in der Welt von La Vialla eine Rolle. Bei der Kosmetik werden beispielsweise Traubenkerne, Schalen und Trester weiterverarbeitet, unter anderem für Peelings oder als Quelle für Resveratrol. Das Unternehmen verweist außerdem auf recycelbare Verpackungen, ressourcenschonende Herstellung und eine als klimapositiv zertifizierte Produktion. Solche Begriffe sollte man nie ungeprüft als Heiligenschein übernehmen. Sie zeigen aber, wie weit sich das Verständnis eines landwirtschaftlichen Betriebs inzwischen verschoben hat. Aus einem Hof wird ein geschlossenes System, in dem Lebensmittel, Pflegeprodukte und Nahrungsergänzung aus denselben Rohstoffwelten entstehen.

Interessant ist dabei die Abwesenheit jener Hightech-Sprache, mit der moderne Supplements gern aufgeladen werden. Kein futuristischer Komplex aus Buchstaben und Zahlen, keine Kapsel in Space-Age-Verpackung. Stattdessen Olive, Orange, Glas. Gerade diese Einfachheit ist wahrscheinlich Teil der Attraktivität. Sie lässt OliPhenolia C weniger wie ein optimiertes Lifestyle-Gadget wirken als wie ein landwirtschaftliches Produkt, das in die Sprache gegenwärtiger Wellness-Routinen übersetzt wurde. Natürlich bleibt auch hier eine Inszenierung. Die Toskana ist schließlich nicht nur Herkunftsort, sondern ein ziemlich wirksames Bild: Sonne, Erde, Olivenhaine, Zypressen, langsamere Tage. La Vialla weiß das und macht daraus keinen Hehl. Entscheidend ist, ob hinter dieser Erzählung tatsächlich eine nachvollziehbare Produktion steht. Die Demeter-Zertifizierung und der eigene Hof liefern dafür zumindest konkrete Anhaltspunkte. Genau deshalb funktioniert die Geschichte besser, wenn man auf die üblichen Superlative verzichtet.


OliPhenolia C ist in diesem Sinn weniger interessant als vermeintliches Wundermittel als Beispiel dafür, wie sich Landwirtschaft neu erzählen lässt. Nicht über idyllische Postkartenbilder allein, sondern über Rohstoffe, Verarbeitung und die Frage, wie viele Produkte sich aus einem biologisch-dynamischen Kreislauf entwickeln lassen. Dass am Ende ein dickflüssiger orangefarbener Shot im kleinen Glas steht, ist beinahe nebensächlich. Und vielleicht ist genau das der angenehmste Gedanke daran: Ein Nahrungsergänzungsmittel muss nicht aussehen, als sei es in einem Labor für das Jahr 2040 entwickelt worden. Manchmal reichen Olive, Orange und die ziemlich altmodische Idee, genau wissen zu wollen, woher etwas kommt.

