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Ein Schritt voraus

Die ersten kalten Tage sind ein ziemlich ehrlicher Stiltest. Sobald Kälte, Kopfsteinpflaster und volle Terminkalender zusammenkommen, verlieren manche Schuhe schnell ihren Reiz. Zu schwer, zu steif, zu empfindlich. NUBIKK beschäftigt sich in seiner Herbst-/Winter-Kollektion 2026 mit genau diesem Problem, ohne daraus ein technisches Großprojekt zu machen. Die Schuhe sollen gut aussehen, warm halten und sich leicht tragen lassen. Eigentlich selbstverständlich. In der Mode ist es erstaunlich selten. Den größten Auftritt bekommen in dieser Saison die Damenboots. Erfreulicherweise geht es dabei nicht um noch dickere Sohlen oder martialische Beschläge. Die Formen werden schlanker, das Leder weicher, die Wirkung weniger streng. Die Lizzy Lynn kommt mit einem geflochtenen, abnehmbaren Riemen. Mit ihm wirkt das Boot dekorativer, ohne ihn deutlich ruhiger zu machen. Ein kleines Detail, das im Alltag mehr bringt als manches spektakuläre Designelement. Schließlich sieht dieselbe Garderobe am Montagmorgen meist etwas anders aus als am Samstagabend.

Der Maeve Rider nimmt sich den klassischen Reitstiefel vor. Seine hohe, klare Form ist sofort vertraut, wirkt aber entspannter als die traditionellen Vorbilder. Er verlangt weder Pferd noch Landhaus und passt genauso gut zu einem schmalen Rock wie zu Jeans oder weit geschnittenen Hosen. Noch lockerer sitzt der Sally Lynn. Sein weicher Schaft fällt in lässigen Falten um das Bein, ein Riemen aus Wildleder gibt ihm Kontur. Slouchy Boots gehören zu den wichtigsten Schuhformen des Herbstes 2026, weil sie selbst einfachen Kleidern und Mänteln sofort eine gewisse Nonchalance geben. Entscheidend ist nur, dass der Fall des Leders gewollt und nicht nach einem langen Tag im Regen aussieht. Bei Sally Lynn stimmt die Dosierung. Neben der Form bestimmt vor allem das Material den Charakter der Kollektion. Nubikk kombiniert Glattleder und Veloursleder mit Ponyhaar und echtem Shearling. Das klingt üppiger, als es aussieht. Die Farben halten alles zusammen: Dunkelbraun, Oliv, Navy und ein warmer Eichenton ersetzen das ewige Winterschwarz. Besonders Braun macht derzeit erstaunlich viel richtig. Es lässt Leder satter wirken, passt zu Denim ebenso wie zu Grau, Creme oder Schwarz und altert meist interessanter als perfekt polierte Oberflächen. Der Herbst darf schließlich Spuren hinterlassen.

Beim Riley Mio wird der Materialwechsel zum eigentlichen Ereignis. Der bekannte Loafer erscheint einmal mit weichem Schaffellfutter und einmal in Ponyhaar. Die Fur-Version löst dabei ein Problem, das Mode erstaunlich lange ignoriert hat: Loafer sehen im Winter gut aus, sind aber selten für winterliche Temperaturen gemacht. Hier kommt die Wärme von innen, während die leichte Silhouette erhalten bleibt. Der Riley Mio Pony ist extrovertierter, allerdings ohne gleich nach Zirkusgarderobe auszusehen. Seine unregelmäßige Oberfläche reicht aus, um einem schlichten Outfit Spannung zu geben. Mehr Dekoration wäre zu viel. Auch der Billy Lou wurde überarbeitet. Beim Billy Lou II ist die Silhouette schlanker geworden, hinzu kommen Stickereien, geprägte Details und zwei Paar Schnürsenkel zum Wechseln. Das Modell bleibt klar als Billy Lou erkennbar, wirkt aber weniger massig und damit näher an den flacheren Sneakern, die gerade wieder häufiger zu sehen sind. Für kalte Tage gibt es den Billy Lou Fur II mit echtem Schaffellfutter. Das ist vernünftig, ohne vernünftig auszusehen. Genau darin liegt die Qualität guter Winterschuhe.

Bei den Herren kehrt der Runner zurück. Nicht als klobiger Sportschuh mit möglichst viel Sohle, sondern flacher, leichter und näher am Fuß. Der Ray Rio ist vom German Army Trainer inspiriert, jenem schlichten Trainingsschuh, der längst zum festen Bestandteil der Mode geworden ist. Nubikk ergänzt dezente High-Frequency-Details und eine OrthoLite-Innensohle für bessere Dämpfung. Außen bleibt der Sneaker zurückhaltend, innen arbeitet die Technik. Der Denzel Dane schaut stärker in Richtung der 1990er-Jahre. Mehrlagige Partien, eine elastische Zunge und die leichte Konstruktion geben ihm den typischen Runner-Look, ohne ihn unnötig aufzublasen. Der Riley Morgan reduziert die Idee noch weiter. Flache Sohle, klare Linie, wenig Ablenkung. Ein Schuh für alle, die keine Lust mehr haben, bei jedem Schritt fünf zusätzliche Zentimeter Gummi mitzunehmen. Der Loafer bleibt auch bei den Männern wichtig, hat seine Zeiten als reiner Businessschuh jedoch endgültig hinter sich. Der Jones Gatsby hält die klassische Linie sauber und ergänzt sie um moderne Details. Beim Jones Mio wird es interessanter: Sein plissierter Schaft bringt Bewegung in das Leder und nimmt dem Modell die übliche Förmlichkeit. Beide funktionieren zur Anzughose, müssen dort aber nicht bleiben. Mit Denim, Cord oder einer weiten Wollhose sehen sie vermutlich sogar besser aus. Der heutige Loafer möchte schließlich nicht mehr auf die nächste Einladung warten.

Für kältere Tage gibt es den Logan Chad, der sich am traditionellen italienischen Wanderstiefel orientiert. Nubikk macht ihn leichter und schlanker, ohne ihm die nötige Robustheit zu nehmen. Die gefütterte Version Logan Chad Fur bringt Shearling ins Innere. Noch winterlicher wird es beim Teddy Furry aus Veloursleder. Er ist vollständig mit echtem Schaffell gefüttert, besitzt eine leichte Sohle und erscheint in drei warmen Farbtönen. Eine Variante ist erstmals vollständig in einer Fellfarbe gehalten. Das könnte schnell nach Berghütte aussehen, bleibt hier aber erstaunlich stadttauglich. Dass Nubikk inzwischen auch Lederhandtaschen und Jacken anbietet, passt zur Entwicklung vieler Schuhmarken, die nicht länger nur am Fuß stattfinden möchten. Die Erweiterung funktioniert in dieser Kollektion vor allem deshalb, weil sie nicht wie ein angehängtes Zusatzgeschäft aussieht. Farben und Materialien tauchen wieder auf, die Teile begleiten die Schuhe, statt mit ihnen um Aufmerksamkeit zu konkurrieren. Trotzdem bleiben die Schuhe die Hauptdarsteller. Das ist auch besser so.

Ab sofort ist die NUBIKK Herbst-/Winter-Kollektion erhältlich. Dann entscheidet ohnehin nicht mehr das Lookbook, sondern der erste kalte Dienstagmorgen. Genau für ihn sind diese Schuhe gemacht: leicht genug für lange Wege, warm genug für sinkende Temperaturen und attraktiv genug, dass niemand dabei an einen Vernunftkauf denkt

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