Zwei Maß, ein reservierter Tisch, privater Transfer und danach zurück ins Fünf-Sterne-Luxushotel: Der Koenigshof macht aus dem Oktoberfest eine erstaunlich komfortable Angelegenheit. Zur Wiesn 2026 spielt das Haus am Stachus seine Lage aus – mit Augustiner-Festzelt, Aperitivo, Tracht und einem ziemlich guten Blick auf München. Es gibt Dinge, die in München während der Wiesn wertvoller sind als Geld. Ein reservierter Tisch im Festzelt gehört ziemlich sicher dazu. Während sich andere Monate vorher durch Reservierungsportale kämpfen, Freunde mobilisieren oder spätestens am Eingang feststellen, dass Spontaneität auf dem Oktoberfest ihre Grenzen hat, beginnt die Wiesn für Gäste des Koenigshof in diesem Jahr bemerkenswert zivilisiert: einsteigen, vorfahren, Platz nehmen. Das Hotel am Stachus hat für die Oktoberfest-Saison 2026 ein Package geschnürt, das bayerische Tradition mit jener Sorte Komfort verbindet, die nach einer langen Nacht plötzlich sehr vernünftig erscheint.
Vom 19. September bis 4. Oktober 2026 gilt das Arrangement und enthält neben Übernachtung und Frühstück reservierte Plätze für zwei Personen im Augustiner-Festzelt. Dazu kommen Gutscheine für jeweils zwei Liter Bier und eine bayerische Spezialität. Vor allem aber entfällt ein Teil jener Wiesn-Logistik, die selbst Einheimische gelegentlich an ihrer Heimatliebe zweifeln lässt: Ein privater Transfer bringt die Gäste direkt vom Koenigshof zum Oktoberfest, vor Ort begleitet ein Host sie bis zum reservierten Tisch.


Das ist natürlich die komfortable Version der Wiesn. Aber gerade darin liegt der Reiz. Das Oktoberfest lebt schließlich von Gegensätzen. Millionen Besucher treffen auf eine Veranstaltung, die sich weiterhin mit erstaunlicher Konsequenz auf Bier, Hendl, Fahrgeschäfte und Blasmusik konzentriert. Dirndl und Lederhose existieren neben internationalem Jetset, Traditionsvereine neben Instagram, Familienausflug neben Ausnahmezustand. Wer mittendrin sein möchte, muss deshalb nicht zwangsläufig auch jede logistische Begleiterscheinung romantisieren. Der Koenigshof besitzt dafür einen strategischen Vorteil: seine Lage. Seit seiner Wiedereröffnung 2024 steht das von Nieto Sobejano Arquitectos entworfene Haus unmittelbar am Karlsplatz und damit an einem der wichtigsten Knotenpunkte der Innenstadt. Das architektonische Konzept trägt den etwas paradox klingenden Namen „Stachus Serenity“ – Ruhe ausgerechnet dort, wo München selten stillsteht. Während der Wiesn bekommt diese Idee plötzlich einen sehr konkreten Sinn. Die Theresienwiese ist nah, das Zentrum liegt vor der Tür, und trotzdem lässt sich die Tür hinter sich schließen.
Das Hotel beschränkt seine Wiesn-Ambitionen deshalb nicht auf das Festzelt. Im neunten Stock wird das Restaurant GRETA OTO am ersten Wiesn-Sonntag zur ziemlich exklusiven Zuschauertribüne. Dann zieht der traditionelle Trachten- und Schützenzug durch München – einer jener Momente, in denen die Stadt demonstriert, dass Tracht weit mehr sein kann als die jährlich im September erworbene Uniform für drei Maß Bier. Tausende Teilnehmer ziehen in historischen Gewändern, Uniformen und Trachten durch die Innenstadt Richtung Theresienwiese. Von oben betrachtet bekommt das Spektakel noch eine zusätzliche Qualität: München wird für einige Stunden selbst zur Bühne.


Wer lieber sitzen bleibt, kann essen und dem Zug aus der Distanz folgen. Eine angenehm zeitgemäße Form der Brauchtumspflege: mittendrin, ohne zwischen Absperrgittern nach einer freien Sichtachse suchen zu müssen. Einige Stockwerke tiefer wird die Wiesn während der gesamten Laufzeit in kleinerer Dosis serviert. In den Lounges The Green & The Gold kehrt der bereits aus dem vergangenen Jahr bekannte Wiesn-Apéro zurück. Große Brezn, ein Koenigshof-Brotzeitbrett mit regionalen Spezialitäten und Augustiner Bier bilden ein Programm, dessen Komplexität erfreulich überschaubar bleibt. Manchmal muss München kulinarisch gar nicht neu erfunden werden. Eine vernünftige Brezn und ein kaltes Bier haben schließlich schon schwierigere Zeiten überstanden als den aktuellen Fine-Dining-Boom.
Auch optisch zieht die fünfte Jahreszeit ins Haus ein. Für die Mitarbeitenden kooperiert der Koenigshof mit Amsel Tracht, die ausgewählte Trachten für die Wiesn-Zeit stellt. Entscheidend ist dabei weniger das folkloristische Gesamtbild als die Selbstverständlichkeit, mit der traditionelle Kleidung in München für einige Wochen wieder zum Stadtbild gehört. Zwischen internationalem Hotelpublikum, zeitgenössischer Architektur und bayerischer Kleidung entsteht genau jene Mischung, die München im September interessanter macht als jede sauber inszenierte Postkartenfassung der Stadt.



Denn das vielleicht Spannendste an der Wiesn ist längst nicht mehr die Frage, ob Tradition und Luxus zusammenpassen. Das tun sie in München seit Jahrhunderten ziemlich problemlos. Interessanter ist, wie unterschiedlich sich ein und dasselbe Volksfest erleben lässt. Für die einen beginnt der Tag um sieben Uhr vor einem Zelteingang. Andere treffen Freunde am Riesenrad. Manche verbringen sechs Stunden auf einer Bierbank und erinnern sich am nächsten Morgen nur noch fragmentarisch daran. Und wieder andere steigen am Koenigshof in ein Auto, werden zum Augustiner-Festzelt gefahren und von einem Host an ihren Tisch begleitet. Spätestens auf der Bierbank sind dann ohnehin wieder alle gleich. Zumindest ungefähr.

