Eine Uhr durchsichtig zu machen, ist eine ziemlich kompromisslose Idee. Normalerweise erledigt ein Gehäuse schließlich auch die diskrete Aufgabe, alles zu verbergen, was nicht unbedingt gesehen werden soll. Schrauben, Brücken, Räder, Federhäuser – mechanische Arbeit findet traditionell größtenteils hinter verschlossenen Türen statt. Hublot macht seit Jahren das Gegenteil und hat aus Saphir einen Werkstoff entwickelt, der nicht nur das Zifferblatt schützt, sondern gleich das komplette Gehäuse bildet. Bei der neuen Big Bang Sapphire Sky Blue kommt nun Farbe ins Spiel. Das 44 Millimeter große Gehäuse besteht aus vollständig poliertem, himmelblauem Saphir, ebenso die Lünette, die von sechs H-förmigen Titanschrauben gehalten wird. Darunter liegt kein dekoratives Zifferblatt, das den Maschinenraum höflich verdeckt. Das matt himmelblaue, skelettierte Blatt und gleichfarbige Brücken geben den Blick auf das Meca-10 Manufakturkaliber frei. Selbst der Boden aus Saphir spielt mit. Mehr Einblick lässt sich bei einer mechanischen Uhr kaum organisieren, ohne sie auseinanderzunehmen. Limitiert ist die Big Bang Sapphire Sky Blue auf 100 Exemplare – vermutlich auch deshalb kein Modell für Menschen, die bei einer Uhr besonders viel Wert auf Unauffälligkeit legen.


Der eigentliche Star sitzt ohnehin im Inneren. Hublot stellte das Meca-10 erstmals 2016 vor und orientierte dessen Architektur nicht an klassischer Uhrmacherei, sondern an mechanischen Baukastensystemen. Die Verwandtschaft mit Meccano ist durchaus beabsichtigt: Statt möglichst viel Technik unter Platinen verschwinden zu lassen, wird Konstruktion zum Schauspiel. In der neuen Big Bang arbeitet das skelettierte Manufakturkaliber HUB1201 mit Handaufzug. Es besteht aus 223 Einzelteilen, besitzt 24 Rubine und läuft mit einer Frequenz von 21.600 Halbschwingungen pro Stunde. Wesentlich spektakulärer ist allerdings die Gangreserve. Zwei parallel angeordnete Federhäuser speichern Energie für mindestens 240 Stunden – zehn Tage. Dazu kommt eine Gangreserveanzeige, die mit einem Zahnstangen-Trieb-System und verschiebbaren Rechen arbeitet, die sich auf einer Achse zwischen neun und drei Uhr bewegen. Was normalerweise eine kleine Anzeige auf dem Zifferblatt wäre, wird damit zum mechanischen Ereignis. Gerade in einem transparenten Gehäuse ergibt diese Konstruktion Sinn: Ein Uhrwerk, das vollständig sichtbar ist, darf schließlich ruhig etwas zu zeigen haben.
Mindestens ebenso aufwendig ist das Material drumherum. Saphir klingt zunächst vertraut, weil Saphirglas seit Jahrzehnten zum Standard hochwertiger Uhren gehört. Ein komplettes Gehäuse daraus herzustellen, ist eine andere Angelegenheit. Das synthetisch erzeugte Material ist extrem hart und kratzfest, zugleich aber schwierig zu bearbeiten. Fräsen, Bohren und Polieren verlangen erheblichen Aufwand, weil schon kleine Fehler ein Bauteil unbrauchbar machen können. Hublot beschäftigt sich seit 2016 intensiv mit farbigem Saphir und hat daraus inzwischen eines seiner auffälligsten technischen Markenzeichen gemacht. Der entscheidende Schritt besteht darin, Transparenz und Farbe miteinander zu verbinden, ohne die optische Klarheit zu verlieren. Bei Sapphire Sky Blue wird daraus ein helles Blau, das je nach Licht zwischen fast gläserner Kühle und deutlich sichtbarer Farbe wechseln kann. Die Uhr bekommt dadurch eine ungewöhnliche optische Tiefe: Nicht nur die Oberfläche trägt Farbe, sondern das Licht wandert durch das Material und verändert dabei Gehäuse, Kanten und Mechanik. Ein himmelblaues strukturiertes Kautschukarmband führt den Ton weiter, während Titan an Schrauben und Faltschließe dort eingesetzt wird, wo Transparenz technisch wenig hilfreich wäre.


Dass ausgerechnet Hublot eine solche Uhr baut, passt zur Geschichte der Marke. Schon 1980 kombinierte das Unternehmen ein Goldgehäuse mit einem Kautschukarmband – damals eine Verbindung, die in der konservativen Schweizer Uhrenwelt ungefähr so selbstverständlich wirkte wie Turnschuhe zum Smoking. Aus dieser Reibung entstand später die von Hublot immer wieder beschworene „Art of Fusion“. Mit der 2005 vorgestellten Big Bang bekam das Prinzip seine bekannteste Form: groß, mehrschichtig konstruiert, mit sichtbaren Schrauben und wenig Interesse daran, traditionelle Vorstellungen von diskreter Eleganz zu bedienen. Noch im selben Jahr erhielt die Big Bang beim Grand Prix d’Horlogerie de Genève eine Auszeichnung für ihr Design. Die Sapphire Sky Blue führt diese Idee zwanzig Jahre später nicht über noch mehr Bauteile weiter, sondern über Material. Saphir übernimmt gleichzeitig Konstruktion und Gestaltung, Kautschuk verhindert, dass das Ganze zu einem gläsernen Schmuckstück wird, und das technische Innenleben darf selbst die Dekoration übernehmen. Wasserdicht bleibt die transparente Konstruktion bis 50 Meter. Seit 2026 unterstreicht Hublot das Vertrauen in seine Technik zudem mit einer fünfjährigen Basisgarantie für anspruchsberechtigte neu erworbene Uhren, die über das Hublotista-Programm um weitere fünf Jahre verlängert werden kann.
Vielleicht ist das Interessanteste an der Big Bang Sapphire Sky Blue gar nicht ihre Farbe, sondern was sie sichtbar macht. Gehäuse, Zifferblatt und Werk gehen optisch ineinander über, die Mechanik wird selbst zum Design. Zahnräder, Federhäuser und Gangreserve verschwinden nicht hinter einer Fassade, sondern spielen die Hauptrolle. Zeit ablesen kann die Big Bang natürlich auch – bei so viel sichtbarer Technik wirkt das fast wie eine Nebenbeschäftigung. Weitere Informationen unter Hublot

