Rot war bei Mario Valentino nie einfach nur eine Farbe. Eher ein Temperament. Eine gewisse italienische Form von Selbstverständlichkeit, die nichts beweisen muss und genau deshalb funktioniert. Für Frühjahr/Sommer 2026 verschiebt sich dieses Rot nun in eine neue Richtung: Tomato Red, leicht spicy, irgendwo zwischen reifer Tomate, Chili und mediterraner Abendsonne. Eine Farbe, die auffällt, ohne aggressiv zu wirken, und die erstaunlich gut zu jener neuen Lust auf Emotion, Wärme und Persönlichkeit passt, die sich gerade durch viele internationale Kollektionen zieht. Während Luxusmode zuletzt oft in Beige, Grau und maximaler Zurückhaltung verschwand, bringt Mario Valentino plötzlich wieder Energie zurück in Accessoires — allerdings ohne übertriebene Lautstärke oder plakative Trendmechanismen.
Die Geschichte der Maison beginnt lange, bevor Luxus zu einem globalen Industrieprodukt wurde. In Neapel, jener Stadt, die Stil nie geschniegelt verstanden hat, sondern immer emotional, sinnlich und voller Charakters. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts fertigte Vincenzo Valentino Schuhe für den italienischen Königshof. Sein Sohn Mario Valentino entwickelte daraus später eines der spannendsten italienischen Lederhäuser überhaupt. In den Fünfzigerjahren entstanden in der kleinen Werkstatt zunächst kaum mehr als zwanzig Paar Schuhe pro Tag — fast maßgefertigte Einzelstücke mit jener Präzision, die italienisches Handwerk bis heute so besonders macht. Legendär wurde vor allem ein flacher Sandalenschuh aus dem Jahr 1954, reduziert auf wenige Korallendetails und dennoch modern genug, um bis heute als stilistischer Wendepunkt der italienischen Schuhgeschichte zu gelten.






Vielleicht ist genau dieses Zusammenspiel aus Handwerk, kultureller Neugier und italienischer Eleganz der Grund, warum Mario Valentino auch heute noch anders wirkt als viele andere Accessoire-Marken. Schon früh bewegte sich die Maison zwischen Kunst, Avantgarde und Mode. Künstler wie Andy Warhol oder Robert Rauschenberg gehörten zum kreativen Umfeld der Marke, später fotografierten Helmut Newton, Richard Avedon oder Oliviero Toscani Kampagnen, die weniger klassische Werbung waren als stilistische Zeitdokumente. Diese Nähe zu Kunst und Popkultur spürt man bis heute. Denn auch die neue Taschenkollektion versucht nicht, möglichst perfekt oder künstlich luxuriös zu wirken. Stattdessen entsteht genau jene Mischung aus italienischer Lässigkeit, Großstadtenergie und emotionalem Luxus, die momentan wieder spannend erscheint.
Tomato Red zieht sich dabei durch die gesamte Kollektion. Mal hochglänzend auf Lackleder, mal weich und fast cremig auf Kalbsleder, dann wieder sportiver auf beschichtetem Canvas mit Ton-in-Ton-Logo. Besonders interessant ist die Vielfalt der Formen. Lady Bags wirken plötzlich weniger klassisch und deutlich entspannter, Half-Moon-Silhouetten erinnern subtil an die späten Neunziger und frühen Zweitausender, während kleine Pochettes mit Chains, Quasten oder breiten Rips-Straps fast schon urban und sportiv wirken. Genau dieses Spiel zwischen Eleganz und Alltag macht die Kollektion relevant. Die Taschen funktionieren nicht nur für Abendlooks oder klassische Luxusgarderoben, sondern ebenso zu Denim, Oversized-Blazern oder minimalistischen Sommerlooks.





Überhaupt scheint Mario Valentino aktuell stärker an einem modernen urbanen Lebensgefühl interessiert zu sein als an traditionellen Luxusklischees. Die Marke bewegt sich bewusst zwischen italienischer Handwerksgeschichte und einer jüngeren, zugänglicheren Ästhetik. Genau deshalb wirken die Taschen nicht nostalgisch, obwohl sie eindeutig italienische Codes transportieren. Sie tragen Geschichte in sich, aber ohne museal zu werden. Vielleicht liegt darin ihre eigentliche Stärke.
Interessant ist außerdem, wie konsequent die Maison weiterhin auf italienische Fertigung setzt. In einer Zeit, in der viele Luxuslabels zwar über Handwerk sprechen, gleichzeitig aber immer stärker industrialisiert wirken, bleibt bei Mario Valentino genau dieses Know-how sichtbar. Lederqualität, Verarbeitung, Materialauswahl und die oft erstaunlich präzisen Details stehen weiterhin im Mittelpunkt. Gerade dadurch wirken die Taschen nicht wie kurzlebige Saisonprodukte, sondern eher wie Begleiter mit Persönlichkeit.





Und genau das passt erstaunlich gut in die Gegenwart. Nach Jahren von Quiet Luxury, kalkulierter Zurückhaltung und jener fast sterilen Ästhetik vieler Luxusbrands wirkt eine Farbe wie Tomato Red plötzlich wieder frisch. Nicht retro. Nicht nostalgisch. Sondern lebendig. Fast so, als würde Italien nach langer Zeit wieder anfangen, Spaß an Mode zu haben. Weitere Informationen unter Mario Valentino

