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Stille Statements

Zwischen Ruhe und Präsenz, zwischen skulpturaler Klarheit und einer fast poetischen Weichheit bewegt sich die neue Kollektion von Enne, gestaltet von Sebastian Herkner. Es sind Möbel und Lichtobjekte, die nicht laut auftreten müssen, um Wirkung zu entfalten. Vielmehr entsteht ihre Kraft aus Proportion, Materialität und einer Atmosphäre, die den Raum verändert, noch bevor man sie bewusst wahrnimmt. Herkner interessiert sich hier weniger für reine Funktion als für das Gefühl, das ein Objekt hinterlässt. Für jene stille Emotionalität, die entsteht, wenn Design nicht erklärt werden muss, sondern intuitiv verstanden wird.

Das Sofa „Lien“ wirkt dabei fast wie eine Landschaft im Raum. Großzügig, weich, offen – und dennoch präzise geführt durch ein markantes Metallband, das die Rückenlehne umschließt und der Form ihren architektonischen Rhythmus verleiht. Es ist kein dekorativer Akzent, sondern eine Art verbindende Linie, die Stabilität und Bewegung gleichzeitig vermittelt. Die Kurven erinnern an vom Wind gezeichnete Dünen oder an natürliche Formen, die über Zeit entstanden sind. Trotz seiner skulpturalen Wirkung verliert das Sofa nie seine Wärme. Gerade die Rückansicht macht „Lien“ besonders: Statt sich an die Wand zu drängen, möchte dieses Möbel frei im Raum stehen, sichtbar von allen Seiten, beinahe wie ein Objekt in einer Galerie. Durch die modulare Struktur entstehen individuelle Kompositionen aus Sofas, Chaiselongues, Hockern und Tischen, die sich flexibel an moderne Wohnsituationen anpassen, ohne jemals beliebig zu wirken.

Auch die „Monad“-Tische folgen dieser Idee von Ruhe und Selbstverständlichkeit. Gefertigt aus massivem Marmor, besitzen sie eine beinahe archaische Präsenz. Doch Sebastian Herkner nimmt dem Stein jede Schwere. Sanft gerundete Kanten, eine leichte Vertiefung auf der Oberfläche und die subtil geformten Standpunkte lassen den Tisch fast schwebend erscheinen. Besonders faszinierend ist dabei die Konsequenz der Form: Beine und Platte entstehen aus einem einzigen Volumen, als wäre der Tisch direkt aus dem Stein herausgearbeitet worden. Die Maserung verläuft ununterbrochen über die gesamte Oberfläche und macht den natürlichen Charakter des Materials sichtbar. Der kleinere „Monad Side Table“ übersetzt diese Idee in eine intimere Dimension. Er sucht nicht nach Aufmerksamkeit, sondern entsteht aus Zurückhaltung. Gerade dadurch entwickelt er eine besondere Präsenz – leise, ruhig und selbstverständlich.

Mit dem „Oxbow Armchair“ nähert sich Herkner dem Thema Komfort auf eine fast organische Weise. Die Form erinnert an Oberflächen, die über Jahre hinweg vom Wasser gezeichnet wurden. Vertiefungen, Rundungen und fließende Übergänge erzeugen den Eindruck permanenter Bewegung, obwohl der Sessel vollkommen ruhig wirkt. Die Armlehnen wachsen direkt aus dem Körper des Sessels heraus, nichts erscheint angesetzt oder konstruiert. Dadurch entsteht eine ungewöhnliche Weichheit in der Silhouette. Der Körper findet intuitiv seine Position, ohne dass der Sessel sie vorgibt. Genau darin liegt seine besondere Qualität: „Oxbow“ wirkt offen, entspannt und dennoch präzise definiert. Als Einzelstück setzt er einen ruhigen Akzent, innerhalb einer größeren Raumkomposition fügt er sich selbstverständlich ein, ohne Dominanz auszustrahlen.

Noch atmosphärischer wird die Kollektion dort, wo Licht ins Spiel kommt. Die Leuchtenserie „Ember“ beschäftigt sich weniger mit Beleuchtung im klassischen Sinn als mit der emotionalen Wirkung von Licht im Raum. Übereinanderliegende Glasformen erzeugen Reflexionen, Transparenzen und Schatten, die sich permanent verändern. Das Licht wird nicht gebündelt oder gelenkt, sondern verteilt sich weich im Raum und erzeugt eine fast schwerelose Stimmung. Besonders die Stehleuchte besitzt eine stille Eleganz. Die geschichteten Glasvolumina erinnern an Luft, Nebel oder an Lichtreflexe auf Wasseroberflächen. Nichts wirkt statisch. Stattdessen entsteht der Eindruck permanenter Veränderung. Die Pendelleuchten der Serie erweitern dieses Prinzip in die Horizontale. Unterschiedliche Höhen und Ebenen schaffen eine Komposition, die Räume nicht einfach beleuchtet, sondern ihnen Tiefe gibt. Gerade in größeren Interieurs entfalten diese Objekte eine beinahe meditative Wirkung.

Auch der „Ethos Chair“ verzichtet bewusst auf jede Form von Inszenierung. Vollständig gepolstert und auf geometrische Klarheit reduziert, vermittelt der Stuhl Ruhe und Stabilität. Sitzfläche und Basis wirken wie aus einem einzigen Körper geformt. Kleine Metalldetails setzen subtile Kontraste und verleihen der kompakten Form eine gewisse Leichtigkeit. Dabei bleibt „Ethos“ nie kühl. Stoff, Leder oder Nubuk verändert seinen Charakter, ohne die formale Ruhe zu verlieren. Der Stuhl umhüllt den Körper beinahe unmerklich und übersetzt Komfort in eine sehr reduzierte, fast architektonische Sprache.

Der Sessel „Brase“ wiederum spielt mit Gegensätzen. Seine Basis wirkt geerdet und stabil, während die weich fallende Polsterung darüber fast schwebt. Genau dieser Kontrast macht den Reiz des Objekts aus. Das Zusammenspiel von Struktur und Weichheit erzeugt eine Silhouette, die gleichzeitig kraftvoll und entspannt erscheint. Holz-, Lack- oder Metallvarianten verändern die Wirkung subtil und machen den Sessel vielseitig einsetzbar – von minimalistischen Interieurs bis hin zu atmosphärischen, materialbetonten Räumen.

Was die gesamte Kollektion verbindet, ist ein selten gewordenes Gefühl von Ruhe. Sebastian Herkner entwirft keine Objekte, die Aufmerksamkeit erzwingen. Stattdessen entstehen Möbel und Leuchten, die über Zeit wirken, weil sie eine emotionale Nähe schaffen. Sie besitzen eine stille Präsenz, die Räume nicht überlagert, sondern ihnen Charakter gibt. Gerade darin liegt die eigentliche Stärke dieser Arbeiten: Sie schaffen Orte, die nicht nur gestaltet aussehen, sondern sich auch so anfühlen. Weitere Informationen unter Enne

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