Man sitzt, ohne groß darüber nachzudenken. Genau darauf läuft die Installation von Converse während der Milan Design Week hinaus. Kein klassisches Display, kein Sneaker auf Podest, sondern ein Raum, der erst im Gebrauch Sinn ergibt. Tisch, Stühle, Objekte – alles angelegt für einen Moment, der eher nach Dinner aussieht als nach Designpräsentation.
Ausgangspunkt ist der First String Woven Chuck Taylor. Ein Modell, das sich weniger über Form definiert als über seine Konstruktion. Handgeflochtenes Leder, präzise für die Silhouette entwickelt, nicht als Oberfläche gedacht, sondern als tragendes Prinzip. Genau diese Logik wird hier aus dem Maßstab eines Schuhs herausgelöst und in den Raum übertragen. Was dabei entsteht, ist kein direktes Zitat, sondern eine Übersetzung. Flechten wird nicht dekorativ eingesetzt, sondern strukturell gedacht. Verbindungen entstehen nicht visuell, sondern physisch. Dinge greifen ineinander, halten sich, lösen sich wieder. Der Raum funktioniert nicht als Bühne, sondern als System.






Für diese Verschiebung holt Converse zwei Positionen dazu, die unterschiedlich genug sind, um sich nicht zu wiederholen. Garance Vallée arbeitet über Struktur, Rhythmus, Wiederholung. Rich Aybar über Material, Gewicht, Präsenz. Vallées Tisch ist dabei der eigentliche Ankerpunkt. Drei metallene Elemente, die sich verschieben, ineinandergreifen, stabilisieren. Nichts wirkt endgültig, alles bleibt beweglich im Denken, auch wenn es fest ist. Die Oberfläche teilt sich in Module, die einzelne Plätze definieren, ohne das Ganze zu unterbrechen. Man sitzt nebeneinander, aber nicht isoliert. Die Stühle führen diese Idee weiter. Geflochten aus Metall, offen, unterschiedlich dicht, teilweise fast transparent. Sie lassen sich verbinden, verschieben, erweitern. Kein abgeschlossenes Objekt, sondern Teil eines Systems. Das Geflecht wird hier nicht gezeigt, sondern funktioniert.
Aybar setzt dagegen einen klaren Kontrast. Mit MENSA bringt er Gummi zurück ins Zentrum – das Material, aus dem Converse ursprünglich entstanden ist. Kein nostalgischer Verweis, sondern eine präzise Entscheidung. Sein Objekt strukturiert den Tisch über Vertiefungen, über Gewicht, über Präsenz. Es gibt vor, wo etwas liegt, wo Raum bleibt, wo Pausen entstehen. Unter Licht beginnt das Material zu reagieren. Es speichert, reflektiert, verändert die Wahrnehmung, ohne sich aufzudrängen. Genau darin liegt seine Stärke. Es organisiert den Moment, ohne ihn zu inszenieren.


Interessant ist, dass sich beide Ansätze nicht angleichen. Metall bleibt leicht, Gummi bleibt schwer. Struktur bleibt offen, Volumen bleibt konzentriert. Dazwischen entsteht Spannung, aber keine Auflösung. Dinge existieren nebeneinander, nicht als Kompromiss, sondern als Haltung. Was das Ganze zusammenhält, ist die Idee von Präzision. Nicht im Sinne von Perfektion, sondern im Umgang mit Material. Jeder Übergang ist bewusst gesetzt, jede Verbindung nachvollziehbar. Es geht nicht darum, etwas zu zeigen, sondern darum, wie etwas gemacht ist.



Der Sneaker selbst bleibt dabei fast im Hintergrund. Und genau das macht die Installation interessant. Sie löst sich vom Produkt, ohne es zu verlieren. Die Prinzipien bleiben sichtbar, auch wenn das Objekt verschwindet. So verschiebt sich auch der Begriff von Craft. Weg von Oberfläche, hin zu Struktur. Weg von Dekor, hin zu Konstruktion. Flechten wird nicht als Technik verstanden, sondern als Denkweise.
Am Ende bleibt ein Raum, der sich nicht sofort erklärt. Kein Bild, das hängen bleibt, sondern ein Zustand, der sich erst entwickelt. Man setzt sich, schaut, bewegt sich weiter. Und merkt erst später, dass genau das Teil des Konzepts ist. Weitere Informationen unter Converse
Fotos © Luis Corzo, Veronika Orlova

